Wer ab der Schweiz fliegt, zahlt für dieselbe Strecke oft spürbar mehr als Reisende aus dem benachbarten Ausland. Der Abflug im Ausland ist deshalb ein Klassiker unter Vielfliegern – vor allem dann, wenn es um Business- oder First-Class-Tickets auf der Langstrecke geht.

Wir zeigen Euch, woher der Preisunterschied überhaupt kommt, welche Flughäfen ab Zürich, Genf und Basel realistisch erreichbar sind, wie viel von der Ersparnis nach Abzug der Anreise übrig bleibt und welche Risiken Ihr dabei tragt. Alle Angaben haben wir zuletzt im Oktober 2026 geprüft.

Vorweg die wichtigste Einordnung: Der Abflug im Ausland lohnt sich fast nie bei einem Economy-Ticket nach Berlin, dafür umso häufiger bei einer Langstrecke in einer höheren Klasse. Der Grund dafür liegt weniger bei Steuern und Gebühren als in der Preisstrategie der Airlines selbst.

Warum ist derselbe Flug ab dem Ausland oft günstiger?

Airlines bepreisen dieselbe Verbindung je nach Abflugland unterschiedlich. Was in einem Markt gefragt ist und zahlungskräftige Kundschaft findet, kostet mehr – was gegen starke Konkurrenz verkauft werden muss, kostet weniger. Die Schweiz gilt in dieser Rechnung als kleiner, kaufkräftiger Markt mit einem hohen Anteil an Geschäftsreisenden, Mailand oder Stuttgart dagegen als Markt, in dem um jeden Passagier gekämpft wird.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft dabei die Steuern. Anders als oft angenommen ist die Schweiz hier nicht der Kostentreiber: Eine Flugticketabgabe gibt es hierzulande gar nicht, seit das revidierte CO2-Gesetz 2021 in der Volksabstimmung abgelehnt wurde und das Parlament danach auf eine solche Abgabe verzichtet hat. Deutschland erhebt dagegen sehr wohl eine Luftverkehrsteuer, auch wenn sie seit dem 1. Juli 2026 wieder auf dem Niveau von vor Mai 2024 liegt.

Terminal am Flughafen Zuerich
Zürich ist selten wegen der Steuern teuer, sondern wegen des Abflugmarkts

Unter dem Strich heisst das: Wer eine Ersparnis sucht, findet sie im Tarif und nicht in der Steuerzeile. Und genau deshalb ist der Effekt in der Business Class so viel grösser als in der Economy – dort liegen die Preisunterschiede zwischen den Märkten in einer ganz anderen Grössenordnung.

Prüft den Unterschied immer mit derselben Suche in beide Richtungen: einmal ab Zürich, einmal ab dem ausländischen Flughafen, gleiche Daten und gleiche Klasse. Erst dieser direkte Vergleich zeigt, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt.

Bleibt die Frage, welche Flughäfen dafür ab der Schweiz realistisch in Betracht kommen.

Welche Flughäfen kommen ab der Schweiz infrage?

Erreichbar ist aus der Schweiz eine ganze Reihe grosser Flughäfen, ohne dass Ihr am Vorabend anreisen müsst. Entscheidend ist weniger die Distanz als die Frage, ob es eine verlässliche Bahnverbindung gibt:

FlughafenAnreise ab der Schweiz
Mailand MalpensaDirekter EuroCity Zürich–Mailand in rund dreieinviertel Stunden, danach knapp eine Stunde mit dem Malpensa Express
MünchenDirekter Zug ab Zürich in gut dreieinhalb Stunden, danach S-Bahn zum Flughafen
LyonAus der Westschweiz die naheliegendste Option, ab Genf per Bahn oder Auto
StuttgartGut erreichbar aus der Nordostschweiz, Bahnanschluss direkt am Terminal
EuroAirport BaselLiegt auf französischem Boden und wird teilweise als französischer Abflugort verkauft

Der EuroAirport ist dabei der Sonderfall, den viele übersehen: Der Flughafen liegt in Frankreich und hat einen Schweizer und einen französischen Sektor. Je nach Buchung fliegt Ihr also formal ab Frankreich, ohne die Region zu verlassen – ein Vorteil, den weder Zürich noch Genf bieten.

Zug in Mailand
Mailand ist ab Zürich in gut drei Stunden mit dem Zug erreichbar

Für Reisende aus der Westschweiz verschiebt sich die Rechnung deutlich Richtung Frankreich, für die Ostschweiz Richtung Deutschland und Österreich. Die pauschale Antwort «Mailand ist am günstigsten» greift deshalb zu kurz – massgeblich ist immer Euer eigener Wohnort.

Wie gross muss die Ersparnis sein, damit es sich lohnt?

Konkrete Preisbeispiele veralten innerhalb weniger Tage, deshalb hilft eine Rechnung mehr als eine Zahlenliste. Zieht von der Preisdifferenz konsequent alles ab, was der Umweg zusätzlich kostet:

  • Bahntickets oder Treibstoff und Maut für Hin- und Rückweg, jeweils für alle Mitreisenden
  • Parkgebühren, wenn Ihr mit dem Auto anreist und das Fahrzeug eine oder zwei Wochen stehen lässt
  • Eine allfällige Hotelnacht vor dem Abflug oder nach der Landung
  • Verpflegung und Pufferzeit, die Ihr sonst nicht eingeplant hättet

Als Faustregel gilt: Unter rund 200 Franken Differenz pro Person lohnt sich der Aufwand für eine Einzelperson selten. Bei einer Familie kippt die Rechnung dagegen schneller, weil sich die Ersparnis vervielfacht, während die Anreisekosten nur einmal anfallen.

Rechnet auch die Zeit mit ein. Ein Umweg über Mailand kostet Hin- und Rückweg zusammen leicht einen ganzen Reisetag. Wer Ferien mit fixem Zeitbudget plant, zahlt die vermeintliche Ersparnis unter Umständen mit einem verlorenen Urlaubstag.

Umgekehrt gibt es Konstellationen, in denen die Rechnung eindeutig ausfällt – etwa wenn eine Langstrecke in der Business Class ab Mailand mehrere Tausend Franken günstiger ist als ab Zürich. Genau dort liegt der Sinn dieser Strategie.

Sammelt Ihr ab dem Ausland gleich viele Meilen?

Ja. Die Gutschrift bei Miles & More richtet sich nach der gebuchten Buchungsklasse, der Distanz und Eurem Status – nicht danach, in welchem Land der Flug beginnt. Ein Business-Class-Ticket ab Mailand bringt also dieselben Prämien- und Statuspunkte wie dasselbe Ticket ab Zürich.

In der Praxis fällt die Rechnung ab dem Ausland sogar häufig besser aus. Weil dieselbe Klasse dort günstiger verkauft wird, sinkt der Preis pro Meile spürbar – ein Effekt, der sich vor allem lohnt, wenn Ihr gezielt auf einen Status hinarbeitet.

  • Die Buchungsklasse auf dem Ticket entscheidet über die Gutschrift, nicht der Abflughafen
  • Umsteigeverbindungen zählen abschnittsweise, ein zusätzlicher Zubringer bringt also zusätzliche Meilen
  • Prüft vor der Buchung, ob die ausführende Airline überhaupt Meilen gutschreibt – die Übersicht dazu findet Ihr in unserem Guide zu den Miles & More Airlines

Wie Ihr die Gutschrift im Detail berechnet und welche Wege es ab der Schweiz sonst noch gibt, steht in unserem Guide zum Thema Meilen sammeln bei Miles & More. Ergänzend lohnt sich der Blick auf die passende Kreditkarte: Die SWISS Miles & More Gold Duo sammelt Meilen auf alle Umsätze und damit auch auf die Bahnfahrt zum ausländischen Flughafen.

SWISS Miles & More Gold Duo

30’000 Miles & More Meilen 
  • Schneller am Gate mit 2 ZRH Comfort Vouchern
  • Miles & More Meilen mit allen Umsätzen sammeln
  • Halbe Jahresgebühr im 1. Jahr geschenkt
  • Meilenverfall stoppen mit monatlichem Umsatz
  • Reiseversicherungen inklusive
  • SIXT Gold Mitgliedschaft inklusive
220 Franken Jahresgebühr; Im ersten Jahr nur 110 Franken

Damit ist die Meilenfrage geklärt. Deutlich häufiger unterschätzt wird der rechtliche Teil.

Wie sind Eure Fluggastrechte ab einem ausländischen Flughafen?

Hier gibt es Entwarnung: Die EU-Fluggastrechteverordnung knüpft am Abflugort an, nicht an Eurem Wohnsitz. Ab Mailand, München, Lyon oder Stuttgart seid Ihr deshalb genauso geschützt wie ab Zürich – unabhängig davon, welche Airline fliegt.

In einem Punkt steht Ihr ab einem EU-Flughafen sogar besser da: Die Ausgleichszahlung bei reiner Verspätung beruht auf der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, die in der Schweiz nicht automatisch gilt. Wie dieser Sonderfall zustande kommt, haben wir im Guide zu den Fluggastrechte in der Schweiz aufgeschrieben.

Flugzeuge auf dem Vorfeld eines Flughafens
Ab einem EU-Flughafen greift die Verordnung ohne Schweizer Sonderfall

Der Haken liegt woanders, nämlich bei der Anreise. Bahnfahrt und Flug sind zwei getrennte Verträge: Verpasst Ihr den Flug, weil der EuroCity stecken bleibt, zahlt weder die Airline noch die Bahn den verlorenen Flugpreis. Was Euch bei Störungen des Fluges selbst zusteht, lest Ihr im Guide zu den Fluggastrechte bei Verspätungen.

Plant den Anreisepuffer grosszügig. Wer den letzten möglichen Zug nimmt, hat bei einer Streckensperrung keine Alternative mehr – und der Flug ist rechtlich verfallen.

Die Anreise ist damit das grösste, aber nicht das einzige Risiko dieser Strategie.

Welche Risiken solltet Ihr einkalkulieren?

Neben der Anreise gibt es einige praktische Punkte, die eine gut gerechnete Ersparnis im Nachhinein auffressen können. Die meisten davon lassen sich vor der Buchung klären:

  • Die Rückkehr am späten Abend: Landet Ihr nach 22 Uhr in Mailand oder München, ist die Weiterreise in die Schweiz am selben Tag oft nicht mehr möglich
  • Gepäckregeln ausländischer Tarife weichen ab, insbesondere bei günstigen Economy-Tarifen ohne Freigepäck
  • Bei Streiks im Nachbarland betrifft es Euch doppelt, weil auch die Anreise ausfallen kann
  • Umbuchungen und Erstattungen laufen über den Markt, in dem gebucht wurde – Service und Sprache können abweichen

Hinzu kommt ein Punkt, der oft erst beim zweiten Mal auffällt: Wer regelmässig ab dem Ausland fliegt, verliert die Bequemlichkeit des kurzen Wegs nach Zürich oder Genf. Was einmal im Jahr für ein Langstreckenticket funktioniert, wird bei mehreren Reisen im Jahr schnell mühsam.

Blick auf die Stadt Mailand
Wer ohnehin ein paar Tage in Mailand bleibt, rechnet die Anreise gar nicht erst als Kosten

Eine elegante Variante umgeht dieses Problem: den Abflugort zum Teil der Reise machen. Wer den Hinweg ohnehin mit zwei Nächten in Mailand verbindet, hat die Anreise nicht als Kostenpunkt, sondern als Programm.

Für wen lohnt sich der Abflug im Ausland?

Die Antwort fällt deutlicher aus, als es die vielen Variablen vermuten lassen. Lohnend ist der Umweg vor allem für Reisende mit teuren Tickets, flexiblem Zeitplan und Wohnsitz nahe der Grenze.

  • Klar sinnvoll: Langstrecke in Business oder First, Familien mit mehreren Tickets, Wohnort in Grenznähe
  • Zu prüfen: Ferienreisen mit fixem Zeitfenster, Buchungen mit hoher Umbuchungswahrscheinlichkeit
  • Selten sinnvoll: kurze Europastrecken in der Economy, Geschäftsreisen mit engem Zeitplan, Reisen mit viel Gepäck

Wer regelmässig auf der Langstrecke unterwegs ist, sollte die Variante zumindest kennen und bei jeder grösseren Buchung einmal gegenrechnen. Wer zwei Mal im Jahr nach Mallorca fliegt, spart sich den Aufwand guten Gewissens.

Fazit zum Abflug im Ausland

Der Abflug im Ausland ist keine Wundermethode, sondern eine Rechnung mit klaren Variablen. Der Preisunterschied entsteht über den Abflugmarkt und nicht über Schweizer Steuern – eine Flugticketabgabe gibt es hierzulande gar nicht. Genau deshalb ist der Effekt in der Business Class um ein Vielfaches grösser als in der Economy.

Rechnet Anreise, Parkkosten, Zeit und eine allfällige Hotelnacht konsequent gegen die Ersparnis und prüft vor der Buchung, ob Ihr nach der Landung überhaupt noch nach Hause kommt. Bleibt danach ein deutlicher Betrag übrig, ist Mailand, München oder Lyon eine ernsthafte Option – bei Meilen und Fluggastrechten verliert Ihr dabei nichts.

Autor

Nachdem Alex in den ersten 5 Jahren seines Lebens mehr Zeit in Airbussen als in normalen Bussen verbracht hat, war das Hobby schon früh festgelegt: Fliegen. Egal ob in einer Turboprop oder einem A380, egal ob Holzklasse oder Premium: Der Weg ist das Ziel. Und wer kann schon behaupten in 12 Tagen New York, Singapur, Tokyo, Lissabon und Oslo mit Flügen in der Business Class verbunden zu haben?

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.