Grenzen zwischen Ländern gibt es nicht nur an Land, sondern auch im Luftraum – diese sorgen aber seit Jahren für Verspätungen und eine erhöhte Belastung der Umwelt. Das Projekt “Single European Sky” hat die Vereinigung des europäischen Luftraums als Ziel, bis jetzt jedoch erfolglos. Nun hat sich auch der Flughafen Zürich zu diesem Thema in ihrem Politikbrief geäussert: Wie sie zum SES stehen und welche Aspekte in der Problematik nicht genannt werden, hat sich reisetopia.ch für Euch genauer angeschaut!

Überforderung der Flugsicherung durch steigende Nachfrage

Während immer mehr Menschen international mobil werden, stösst der europäische Luftraum in seiner gegenwärtigen Organisation an seine Grenzen. Dies zeigt sich für die Passagiere durch immer häufiger werdende Verspätungen an europäischen Flughäfen – leider auch mit Zürich in einer der führenden Positionen. Trotz ihrer Bemühungen zusammen mit der skyguide für die Hochphase im Sommer bleibt der Ursprung der Verspätungssituation bestehen: Eine fragmentierte Gliederung des europäischen Luftraums.

Die 27 nationalen Flugsicherungen müssen sich oft an Ländergrenzen anpassen, wodurch bei internationalen Flügen ihr Funktionalität eingeschränkt ist – unter anderem auch durch fehlende Kommunikation der Flugsicherungen untereinander. Denn während der Pilot in einem Sektor aufgrund fehlender Slots langsamer fliegen muss, könnte er im nächsten Sektor zur Beschleunigung aufgerufen werden, im Endsektor jedoch trotzdem seine Schleifen fliegen. So verlängert sich pro Flug die zurückgelegte Strecke durchschnittlich um 42 Kilometer und führt zu Verspätungen, höherem Kerosinverbrauch, und jährlichen Mehrkosten im Bereich von 5.5 Milliarden Franken für Luftfahrtunternehmen.

Der Single European Sky als überfordende Vision?

Dass eine Lösung erforderlich ist, ist der Schweiz, Norwegen und der EU schon seit 20 Jahren bewusst und wird als das Projekt “Single European Sky” lanciert. Dabei soll einerseits der Luftraum in Ländergrenzen überschreitende Luftraumblöcke eingeteilt werden, sowie ein sogenannter “Gate-to-Gate”-Ansatz verfolgt werden, damit Fehlkommunikationen vermindet werden. Dafür müssen alle Flugsicherungen Zugriff auf den gleichen Datensatz haben, was mit dem “System Wide Information Management”, kurz SWIM, realisiert werden soll. Die Schweiz ist seit 2013 auch im Functional Airspace Block European Central (FABEC) mit dabei – insgesamt entwickelt sich die für 2020 geplante Einführung des SES-Luftraums ins Gegenteil.

Gründe dafür sind einerseits die Angst der Flugsicherungen vor Personalabbau, aber auch der Soft- und Hardware-Industrie, welche je nach Flugsicherungsinstitution unterschiedliche Produkte verkaufen – das Geschäft wäre durch SWIM jedoch gefährdet. Auch das Militär sowie politische Spannungen zwischen Ländern vereinfachen die Realisierung des Projektes nicht.

Flughafen Zürich fordert zum Handeln auf

Obwohl das Projekt im Jahr 2004 lanciert wurde, zeigt sich auch bis heute noch eine mässige Entwicklung – Ein Beispiel hierfür ist auch ein kurzer Infofilm von der Europäischen Kommission. Für den Flughafen Zürich wird dem SES zu wenig politische Aufmerksamkeit auf nationaler Ebene geschenkt: Daher wird das Parlament und der Bundesrat zur Mitwirkung der Einführung eines konsolidierten Luftraums aufgefordert.

Auch in der aktuellen Analyse der Verspätungsgründe fällt die Flugsicherung über die Grenze zu Deutschland hin auf: der Flughafen in Kloten gibt an, dass ein nicht bezifferter Anteil der verpassten Slots auf den enorm stark ausgelasteten Start- und Landebahnen durch mangelnde gemeinsame Koordination mit den Sektoren über dem Bodensee und Deutschland entstehen würde. Ein Gate-to-Gate Ansatz würde dieses Problem stark reduzieren und dem Flughafen mit seinen enormen Kapazitätsproblemen helfen.

Fazit zum Single European Sky

Bis auf weiteres ist kein gemeinsamer europaweiter Luftraum in Sicht – dabei hilft auch kein Druck von den Airlines oder einer Stellungnahme aus Zürich. Klar ist jedoch, dass Probleme wie Lärm- und Umweltbelastung, vor allem aber die internationale Wettbewerbsfähigkeit durch fehlendes Handeln nicht gelöst werden können.

Autorin

Es gibt wenige Reisen, die zu verrückt für Alexa sind. Ferien in Tokyo? Gerne, aber nur mit Zwischenstop in New York und Singapur! Als Studentin bringt sie Erfahrungen von Trips zwischen zwei Vorlesungen und dem Lernen in der Business Class mit. Aber schon vor dem Matura hat sie fleissig Meilen und Punkte bei verschiedenen Airlines gesammelt, denn damit kann man schliesslich nie zu früh anfangen.

Fragen? In der reisetopia Club Lounge auf Facebook beantworten wir Eure Fragen.