Die Schweizerische Bundesbahn (SBB) muss mit einem enormen Rückgang der Nachfrage in Folge des Coronavirus zurechtkommen. In vielen Zügen sind laut dem scheidenden SBB-Chef nur noch ein bis zwei Passagiere pro Wagon vorzufinden.

Das Coronavirus zwingt alle Menschen dazu, das eigene Verhalten zu ändern. Ein Teil dessen ist es auch in der Schweiz, nicht die Wohnung oder das Haus zu verlassen, wenn dies nicht zwingend notwendig ist. Geschäftsreisen finden nicht mehr statt, private Reisen werden von den meisten Verbrauchern so gut es geht verschoben oder abgesagt. Genau dies spürt natürlich auch die Schweizerische Bundesbahn, die trotz des Coronavirus weiterhin einen nur um etwa 25 Prozent Kapazität reduzierten Fahrplan bietet.

Nachfragerückgang um 80 bis 90 Prozent

In einem Interview mit Blick zu Beginn der Woche hat der scheidende SBB-Chef Andreas Meyer (seit vergangenem Dienstag hat Vincent Ducrot die Rolle übernommen) eine durchweg verheerende Bilanz über die letzten Wochen des Unternehmens gezogen. Demnach habe es einen Nachfragerückgang zwischen 80 und 90 Prozent auf den meisten Verbindungen gegeben. Dies gilt für Nahverkehrsverbindungen genauso wie auf den längeren Strecken zwischen den Schweizer Metropolen. “Selbst in Hauptverkehrszeiten trifft man in manchen Wagen nur eine oder zwei Personen an”, lies Meyer dazu verlauten.

Der Giruno Unterwegs Im Tessin Bei Mendrisio Am 6. Mai 2019. (SBB/Gian Vaitl)
(SBB/Gian Vaitl)

Der Rückgang der Nachfrage wird anders als bei Fluggesellschaften allerdings nur teilweise auch mit einem zurückgehenden Angebot ausgeglichen. Während etwa die Swiss knapp 90 Prozent der Flüge gestrichen hat, ist die Reduktion bei der SBB mit knapp 25 Prozent relativ milde. Eine weitere Reduzierung des Angebots ist laut dem scheidenden SBB-Chef Meyer zumindest im Gespräch. Wörtlich: “Wir werden die Situation genau beobachten und haben vorbehaltene Entscheide getroffen. Sollte ein weiterer Schritt nötig sein, müssten wir die Fernverkehrslinien weiter ausdünnen.”

Allerdings verweist Meyer auch darauf, dass es einen gewissen Auftrag der Daseinsvorsorge gibt, sodass eine starke Reduzierung des Angebots überhaupt nicht möglich sei. “Unter eine Schwelle von rund 50 Prozent können wir im Personen- und Güterverkehr nicht gehen. Weil viele Verbindungen nicht mehr funktionieren würden und die Landesversorgung damit nicht mehr sichergestellt werden könnte.”

Mobilität könnte sich nach der Krise verändern

Wenngleich davon auszugehen ist, dass das Coronavirus in verschiedener Hinsicht einen Einfluss auf die Mobilität der Zukunft hat, sieht Meyer keinen grundsätzlichen Rückgang der Nachfrage. Im Gegenteil erwartet er sogar einen Anstieg der Nachfrage direkt nach der Krise. Dem Blick sagte er: “Sobald wir uns wieder frei bewegen können, wird es insbesondere im Freizeitbereich einen Nachholbedarf geben.” Dadurch, dass die SBB im Verhältnis etwa zu Fluggesellschaften das Angebot nicht so weit herunterfährt, wird sie nach der Krise wohl auch profitieren können, da sie sofort wieder eine Vielzahl an Reisemöglichkeiten bietet. Die Swiss wird das Angebot dagegen nur graduell hochfahren.

Dennoch hofft der scheidende Chef der SBB auch auf eine Veränderung der Mobilität nach der Krise, besonders in Hinblick auf die Flexibilität in Stosszeiten. “Man kann zum Beispiel eine oder zwei Stunden später zur Arbeit fahren. Oder eine Hochschule sagt, dass sie gewisse Angebote von nun an digital anbiete.” Dies würde dazu führen, dass besonders gefragte Verbindungen weniger frequentiert werden und alle Passagiere mit mehr Komfort reisen könnten.

Fazit zum Nachfragerückgang bei der SBB

Es steht außer Frage, dass auch die SBB in den letzten Wochen stark zu kämpfen hatte. Wenngleich der Bahnverkehr nicht ganz so schwer getroffen wurden wie der Flugverkehr, ist ein Rückgang der Nachfrage um 80 bis 90 Prozent doch sehr gravierend. Es bleibt entsprechend auch abzuwarten, ob die SBB ihr Angebot weiter reduziert oder ob eine Lockerung der Maßnahmen in den kommenden Monaten dazu führen könnte, dass die Schweizerische Bundesbahn sich wieder über mehr Passagiere freuen darf.

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