Aireg – das ist die Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany e.V. Doch was steckt da eigentlich dahinter? Mit welchen Themen beschäftigt sich die Initiative? Darüber wollen wir hier einen Überblick geben.

Seit Mitte November sind wir bei reisetopia offizielles aireg-Mitglied. In unserem Artikel, in dem wir die Mitgliedschaft verkündet haben, haben wir auch schon in Grundzügen erleutert, was die Initiative aireg ausmacht. Doch um einen genauen Einblick in die Arbeit des Kompetenzzentrums für regenerative Flugkraftstoffe in Deutschland zu erhalten, reichen ein paar wenige Zeilen nicht aus. Daher stellen wir die wichtigsten Aspekte rund um die Partner, Ziele und Arbeitsweisen von aireg in diesem Artikel noch einmal detaillierter vor und zeigen auf, warum die Arbeit von aireg so wichtig ist.

Die Ziele von aireg im Überblick

Wie es der Name der Initiative schon vermuten lässt, ist das oberste Ziel die Förderung des Einsatzes regenerativer Flugkraftstoffe. Doch selbstverständlich müssen Ziele messbar und klar formuliert sein. Bis 2025 sollen durch die Bemühungen aller die folgenden Ziele erreicht werden:

  • Es soll mindestens eine grossindustrielle Bioraffinerie der zweiten Generation in Deutschland aufgebaut werden
  • Es sollen Regierungsvereinbarungen zur Sicherstellung der Rohstoffversorgung abgeschlossen werden
  • Deutschlandweit sollen mindestens 10 Prozent regeneratives Kerosin aus erneuerbaren Ressourcen zu den regulären Flugkraftstoffen beigemischt werden
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Zunächst liegt der Fokus von aireg also klar auf der Förderung von regenerativen Kraftstoffen, also Sustainable Aviation Fuels. Doch warum werden in den Zielen die sonst so häufig diskutierten Optionen der Entwicklung von Wasserstoff-Flugzeugen und vollelektrischen Flugzeugen nicht oder nur am Rande erwähnt? Dies resultiert daraus, dass aireg zunächst den Fokus auf Lösungen setzt, die so schnell wie möglich eingesetzt werden können. Den Möglichkeiten Wasserstoff- oder elektrische Flugzeuge einzusetzen, wird viel Potenzial zugesprochen.

Allerdings, dauert die Forschung- und Entwicklung mitunter noch mindestens ein Jahrzehnt – wenn nicht sogar länger, wenn man bedenkt, dass die grossen Hersteller Airbus und Boeing in diesem Zeitrahmen maximal mit hybriden Lösungen rechnen. Es wird also noch sehr lange dauern, bis der Einsatz von Wasserstoff- oder Elektroflugzeugen marktfähig sind, die benötigte Infrastruktur besteht und somit die CO2-Emissionen durch den Flugverkehr wesentlich gesenkt werden können. Es ist also sinnvoll, parallel zur Entwicklung der genannten Technologien auch an unmittelbaren Lösungen zu arbeiten, denn wenn bis zur Marktfähigkeit von Wasserstoff- und Elektroflugzeugen nichts an den herkömmlichen Flugzeugen geändert wird, können die Klimaziele in keinem Fall erreicht werden.

Ausserdem würde man sich für viele weitere Jahre auf die irgendwann endlichen fossilen Energieträger stützen. Hier kommen nun die Sustainable Aviation Fuels ins Spiel, welche auch in einem kurzfristigen Zeitrahmen entwickelt und verfügbar gemacht werden können. Sie können “einfach” in die bestehende Infrastruktur mit aufgenommen werden und auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Nutzung gestalten sich als deutlich einfacher. Es gibt verschiedene Arten von Sustainable Aviation Fuels, die sich in ihrer Herstellungsart unterscheiden. Doch alle haben gemeinsam, dass sie nicht wie herkömmliches Kerosin aus fossilen Energieträgern gewonnen werden – also unerschöpflich sind und bis zu 80 Prozent weniger CO2 emittieren.

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Aktuell gibt es bereits mehrere Optionen zur Herstellung und Nutzung nachhaltiger Flugkraftstoffe, doch bisher konnten sie sich weder auf regionaler noch auf globaler Ebene durchsetzen. Warum ist das so? Dies ist insbesondere mit den höheren Herstellungskosten sowie einem fehlenden Förderrahmen zu begründen. Fluggesellschaften haben zu diesem Zeitpunkt einfach keinen wirtschaftlichen Anreiz, die teureren alternativen Flugkraftstoffe einzusetzen. Hier kommt nun aireg wieder ins Spiel. Die Initiative hat einen auf Forschungsergebnissen basierten Fahrplan zur Einführung nachhaltiger Flugkraftstoffe entwickelt und bietet den Politikern auf Bundes- und Länderebene sowie weiteren Stakeholdern aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft die Zusammenarbeit und die fachliche Expertise der Mitglieder an.

Die Mitglieder und Arbeitskreise von aireg

Aireg ist ein Verbund aus Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Forschung und Wissenschaft. Die Mitglieder kommen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Luftfahrt und reichen von Universitäten und Grossforschungseinrichtungen über Anlagenherstellern, Anlagenbetreibern, Bioraffinerien, der Mineralölwirtschaft, Antriebs- und Flugzeugherstellern, Regierungsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen bis hin zu Flughäfen und Fluggesellschaften. Es kommen immer weitere Mitglieder zu aireg hinzu, aktuell gibt es inklusive reisetopia 34 Mitglieder.

Liste aller aireg Mitglieder   +

  • Airbus
  • BP Europa SE
  • Aviation Fuel Projects Consulting GmbH & Co. KG
  • BAUER Resources GmbH
  • Bauhaus Luftfahrt
  • Behörde für Wirtschaft und Innovation
  • CAPHENIA GmbH
  • Deutsche Post DHL
  • Deutsche Shell Holding GmbH
  • Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt
  • Freie Hansestadt Bremen: Die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa
  • JÜLICH Forschungszentrum
  • Flughafen München GmbH
  • Fraunhofer Institut für Bauphysik
  • Global Bionenergies
  • Griesemann Gruppe
  • Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen
  • IATA International Air Transport Association
  • ISCC System GmbH
  • Jatro Green S.A.R.L.
  • KIT Karlruher Institut für Technologie
  • Leibniz-Institut für Katalyse e.V.
  • MTU Engines AG
  • Neste
  • Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz
  • OMV Refining + Marketing GmbH
  • Petrixo Oil & GAs
  • reisetopia
  • Rosneft Deutschland GmbH
  • Schleswig-Holstein: Mineserium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie
  • Sunfire
  • Institut für Umwelttechnik und Energiewirtschaft
  • Total Deutschland GmbH
  • Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe

Das wichtigste Organ bei aireg ist die Mitgliederversammlung, bei der jedes Mitglied stimmberechtigt ist. Diese Versammlung wählt den Vorstand und entscheidet wie der Beirat, der aireg in seiner strategischen Arbeit berät und unterstützt, besetzt werden soll. Die Mitglieder organisieren sich zum ergebnisorientierten Arbeiten in drei Arbeitskreisen sowie einer Task Force und handeln somit gemeinsam an den verschiedensten Säulen, die notwendig sind, um die Entwicklung alternativer Flugkraftstoffe voranzutreiben.

Arbeitskreis Rohstoffe und Technologien

Im Arbeitskreis Rohstoffe und Technologien wird im Wesentlichen ausgearbeitet, welche Rohstoffe in welchem Mengen sich am besten dazu eignen, als alternatives Kerosin eingesetzt zu werden. Dieser Arbeitskreis hatte auch die Aufgabe die “Roadmap zur Entwicklung und Einführung nachhaltiger Flugkraftstoffe zu entwickeln”.

Arbeitskreis Nutzung, Qualität und Zulassung

In diesem Arbeitskreis werden alle Fragestellungen rund um die tatsächliche Nutzung der regenerativen Flugkraftstoffe behandelt und ausgearbeitet, welche Schritte tatsächlich nötig sind, um das Ganze hochzuskalieren. Hier wird zum Beispiel darüber diskutiert, inwiefern Sustainable Aviation Fuels das Flugzeug und die Triebwerke beeinflussen können und was dabei beachtet werden muss. Auch ist dieser Arbeitskreis im Austausch mit internationalen Organisationen, um die Zulassungsvoraussetzungen weiterer Herstellungsverfahren von Sustainable Aviation Fuels zu beschleunigen.

Arbeitskreis Nachhaltigkeit

Der Arbeitskreis Nachhaltigkeit kümmert sich vor allem um die weicheren Faktoren der Thematik, nämlich wie die Aktivitäten von aireg entlang der Gesamtwertschöpfungskette ökologisch, ökonomisch und sozial vertretbar gemacht werden können. Hier wird insbesondere auch überlegt, welche regenerativen Treibstoffe mit den Nachhaltigkeitsaspekten vereinbart werden können – denn nicht nur, weil ein Energieträger nachwachsend ist, ist es gleichbedeutend damit, dass seine Hochskalierung positive Folgen für die Umwelt mit sich bringen würde.

Task Force Ökonomie und Produktion

In dieser Taskforce dreht sich alles um die Marktfähigkeit der nachhaltigen Flugkraftstoffe und der Preisnachteil gegenüber den fossilen Brennstoffen aufgehoben werden könnte. Auch wird hier diskutiert, inwiefern man die benötigte Infrastruktur wie etwa Biokerosin-Raffinerien aufbauen und finanzieren kann.

Was ist die Aufgabe von reisetopia bei aireg?

Blickt man auf die Zusammensetzung der aireg-Mitglieder wird einem schnell klar, dass hier Unternehmen und Organisationen aller Art vertreten sind. Dennoch wird sich sicherlich der ein oder andere gefragt haben, welche Rolle reisetopia genau einnehmen wird. Jedem ist vermutlich klar, dass wir nicht an erster Stelle an der Entwicklung von Bioraffinerien mitwirken können. Aber indirekt können wir es schon – durch unsere Medienpräsenz können wir die Berichterstattung über viele der wichtigen Themen einer breiten Leserschaft zugänglich machen. Wir haben die Möglichkeit an den Arbeitskreisen teilzunehmen, Fragen zu stellen aber auch selbst Vorschläge einzubringen.

Vor allem aber werden wir spannende Einblicke in die Arbeit der verschiedenen Partner bekommen und danach die zum Teil etwas abstrakten Themen aufarbeiten, in die Öffentlichkeit bringen und gemeinsam mit Euch diskutieren. Seid also gespannt, was in den nächsten Wochen alles an Beiträgen rund um die Sustainable Aviation Fuels kommt!

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Autor

Wenn Anna unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Selten ist sie mehr als ein paar Tage am selben Ort. Der nächste Kurztrip oder eine Fernreise stehen immer schon in ihrem Kalender. Nach ihrem Tourismus-Studium konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und teilt auf reisetopia.ch ihre Erfahrungen, Tipps und News aus der Reisewelt mit euch.

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