Nach meinen lieben Kolleg(inn)en Lena und Moritz ist es nun an mir, Euch von meiner besten Reiseerfahrung der vergangenen Jahre zu erzählen – und eines ist sicher: Es fällt mir nicht leicht, mich auf das eine Erlebnis zu besinnen, das mich einfach nicht loslassen möchte. Und doch habe ich mich entschieden, und möchte Euch mit diesem Text von einer aus meiner Sicht schlicht wundervoll unterschätzen Region erzählen, die Euch durch Ihre Vielseitigkeit verzaubern wird – genau, wie sie es mit mir getan hat. 

Irgendwann im Spätsommer des letzten Jahres, gerade dann, wenn die verbleibenden Sonnenstrahlen des Tages die Landschaft noch bis spät in die Abendstunden erhellen, erlebte ich einige Tage im Süden Europas, die mich wohl niemals wieder loslassen werden. Begonnen hatte alles mit einem unspektakulären Economy-Flug nach Barcelona, und auch sonst waren meine Erwartungen an das kleine französische Küstenstädtchen Perpignan alles andere als anspruchsvoll. Nur zehn Übernachtungen später sollte ich allerdings die wohl aussergewöhnlichste Reise meines bisherigen Lebens verbracht und insgesamt drei verschiedene Länder bereist haben. Aber, beginnen wir doch einfach mit dem Anfang. 

Eine Reise – Zwei Wochen – Drei Länder

Man könnte es Zufall nennen, oder Schicksal vielleicht, denn es war keine dieser Reisen, die man seit Monaten geplant hat. Eigentlich hatten wir überhaupt nichts geplant. Es war der Sommer nach unserem Abschluss, nur wenige Tage zuvor hatten wir die wohl wichtigste Arbeit unseres bisherigen Lebens eingereicht, und nun waren wir bereit für das ganz grosse Abenteuer. Von einem gemeinsamen Freund hatten wir eine Einladung erhalten, einige Tage in einem Loft einer französischen Küstenstadt zu verbringen, deren Namen ich nie zuvor gehört hatte. Kurz darauf hatten wir bereits unsere Flüge gebucht, einen Mietwagen organisiert – und waren unterwegs in Richtung Süden. 

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Perpignan ist der Name dieser Kleinstadt, die das Ziel unserer Reise sein sollte. Am Golf du Lion am Mittelmeer gelegen, irgendwo entlang der französisch-spanischen Grenze leben hier knapp 120’000 Einwohner in mediterranem Klima. Als ehemalige Hauptstadt des mallorquinischen Königreiches geniesst diese Universitätsstadt bis heute einen katalanischen Einfluss, der in der durchaus sehenswerten Altstadt noch immer offensichtlich ist.

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Abseits dieser geographischen Besonderheiten ist Perpignan allerdings ein eher unbeeindruckendes Städtchen. Als bis heute einzige von einem rechtspopulistischen Bürgermeister regierte Stadt in Frankreich kann sich dieser Ort auch politisch nicht unbedingt brüsten – was die innerstädtische Atmosphäre nicht gänzlich unberührt lässt. Und doch sollte genau dort, irgendwo etwa 70 km südlich von Narbonne und knapp 30 km nördlich der spanischen Staatsgrenze, die wohl vielseitigste Reise meines Lebens beginnen! 

Die Anreise über Barcelona oder Toulouse 

Schon die Anreise in eine Kleinstadt an der spanisch-französische Grenze stellte unsere kleine Reisegruppe vor die erste Entscheidung: Zwar ist Perpignan mit einem kleineren Flughafen im Norden der Stadt ausgestattet, für unsere Anreise aus Deutschlands Hauptstadt war dieser allerdings ungeeignet. Die beiden nächstgelegenen Städte sind mit jeweils knapp dreistündiger Entfernung das spanische Barcelona oder das französische Toulouse. Wir entschieden uns für einen Flug nach Barcelona, und kombinierten unsere Reise mit einem jeweils zweitägigen Aufenthalt in dieser pulsierenden, spanischen Küstenmetropole, deren Vorzüge ich Euch vermutlich nicht näher erläutern muss. 

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Von Barcelona aus ging es mit einem geliehenen Wagen knappe zweieinhalb Stunden entlang der spanischen Küste immer in Richtung Norden, über die französische Grenze, bis wir unser nordkatalanisches Ziel erreichten.

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Dort angekommen wartete bereits die erste Überraschung, denn unsere von gemeinsamen Freunden liebevollerweise bereit gestellte Bleibe entpuppte sich als geräumiges und luxuriöses Loft inmitten eines urbanen Kunstzentrums, dessen Atelier einen angesehenen Treffpunkt für die lokale und internationale Kreativszene darstellt.

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Doch in den umliegenden Ortschaften und kleineren Küstenstädten gibt es auch eine Vielzahl luxuriöser und privater Boutique-Hotels, die unseren Aufenthalt mit Sicherheit unvergesslich gemacht hätten. 

Verlassene Sandstrände entlang der französischen Küste 

Die ersten Tage unseres Aufenthaltes nutzten wir zur Erkundung der umliegenden Region und entdeckten in weniger als 60 Minuten Fahrzeit mehrere kilometerlange und teils völlig verlassene Sandstrände, deren unendliche, ruhige Weite uns tief beeindruckten.

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Einige ganze Tage verbrachten wir manchmal völlig alleine an der französischen Küste und erlebten hier den wohl krassesten Kontrast zu Barcelonas überfüllten Strandabschnitten in unmittelbarer Nähe zur Altstadt.

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An dieser Stelle möchte ich Euch wärmstens empfehlen, eine Reise entlang der spanisch-französischen Grenze immer und unbedingt mit einem eigenen Auto zu bestreiten, denn nur auf diese Weise lassen sich die so vielfältigen Möglichkeiten der Region bestmöglich und vor allem unabhängig entdecken! 

Romantische Stadtbesichtigungen in Collioure und Montpellier 

Nach einem ausgelassenen Strandtag verschlug es uns an den Abenden immer öfter in nächstgrössere Küstenstädte und umliegende Metropolen, die oft schon nach kürzesten Autofahrten erreichbar sind. Mehrmals besuchten wir in dieser Zeit eine in Okzitanien gelegene Gemeinde namens Collioure, die mit weniger als 2’500 Einwohnern verständlicherweise durch das touristische Raster fällt.

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Die sich entlang der Küste windende Altstadt mit ihren bunt-verspielten Häusern, einem mediterran-maritimen Charme und einer von den Meeresfluten konstant überschwemmte Promenade eroberte unsere Herzen in nur wenigen Minuten.

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Besonders eindringlich empfehlen möchte ich Euch hier die kulinarischen Entdeckungen, denn Collioure bietet eine Vielzahl hochklassiger regionaler Gastronomiebetriebe, die mit lokalen Köstlichkeiten locken – und absolut überzeugen. 

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Etwas weiter entfernt von Perpignan liegt das bedeutende, französische Montpellier. Eine knapp zweistündige Autofahrt führte uns entlang der französischen Küste auf einer wunderschönen Strecke immer in Richtung Norden, bis wir das ehemalige Handelszentrum mit seinen knapp 300’000 Einwohnern erreichten.

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Hier verbrachten wir den einzig verregneten Nachmittag unseres Aufenthaltes mit einem beeindruckenden Besuch im Musée Fabre, das eine integrierte Kunstschule besitzt, und bis heute zu den wohl schönsten Museen gehört, die ich in meinem bisherigen Leben besuchte.

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Anschliessend erkundeten wir die romantisch-verregnete Altstadt und verbrachten einen ausgelassenen Abend in Montpelliers urigen Lokalitäten. 

Abenteuerfahrt durch die Pyrenäen 

Nach all diesen Erzählungen habe ich mein ganz persönliches Highlight noch nicht einmal erwähnt. Aufgewachsen mitten in Bayerns Hauptstadt München, war ich bereits mein ganzes Leben von Bergen umgeben. Ins Landesinnere von der französisch-spanischen Küste aus erstrecken sich die Bergketten der Pyrenäen kilometerweit, umgeben von naturbelassenen Nationalparks. An einem frühen Mittwochmorgen machten wir uns also auf in das im Pyrenäengebiet der Ariége gelegene Gemeindegebiet von Niaux.

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Eine Übersicht über einige unserer Ziele und Routen

Hier liegt hoch oben im Tal von Vicdessos ein weitverzweigtes Höhlensystem namens Grotte di Niaux, in welchem sich noch heute Höhlenmalereien aus der jüngeren Altsteinzeit finden lassen, also von vor mehr als 12’000 Jahren. Mehrere Stunden wanderten wir mit elektrischen Grubenlampen bewaffnet durch die knapp zehn Grad kalte, einzige öffentlich zugängliche Höhe innerhalb Frankreichs und bestaunten die historischen Malereien – ein unvergessliches Erlebnis, das ich jederzeit weiterempfehlen möchte. Insbesondere in den Sommermonaten empfiehlt es sich allerdings besonders grössere Gruppen telefonisch anzumelden, da die Kapazität solcher Führungen stark begrenzt ist. Ausserdem ist das Fotografieren in dieser Höhle leider verboten, weswegen ich Euch von diesem Erlebnis leider keine Bilder präsentieren kann.

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Irgendwann um die Mittagszeit verliessen wir diese Höhle wieder – durchgefroren und erschöpft, aber schwer beeindruckt. Anschliessend setzten wir uns erneut in unseren Mietwagen und fuhren kurzerhand über eine weitere Ländergrenze – und zwar direkt in das Fürstentum Andorra. Dieser, in den katalanischen Pyrenäen gelegener, demokratisch regierter Staat wird noch heute von einer parlamentarischen Monarchie geführt und gehört mit seinen weniger als 500 Quadratkilometern Fläche zu den sechs Zwergstaaten innerhalb Europas.

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Als europäische Steueroase und beliebtes Wintersportziel lockt Andorra vor allem Touristen an – in den Sommermonaten ist hiervon allerdings wenig zu spüren. Tatsächlich erlebten wir im Spätsommer vergangenen Jahres eine fast ausgestorbene, kulturell schwer zu definierende Stadt, deren Lokalitäten konsequent mit Weihnachtsdekoration behängt waren – eine skurrile Erfahrung, die unseren Aufenthalt nur noch aufregender gestaltete. 

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An diesem Abend unterbrachen wir unsere späte Heimreise irgendwo im nordspanischen Niemandsland für ein paar köstliche Tapas auf der Terrasse eines Bauernhofes, der ausschliesslich regionale Spezialitäten produzierte. Benommen und erschöpft von den vergangenen zwei Wochen sinnierten wir über unsere Abenteuer – und stellten mit Überraschung fest, das wir an nur einem einzigen Tag ganze drei Ländergrenzen passiert hatten. Bis heute habe ich keine Region innerhalb Europas kennengelernt, die sich Reisenden so vielseitig und abenteuerlich präsentiert, wie wir es vergangenen Sommer erleben durfte. Wenn Ihr also bereit seid, Euch einmal so richtig überraschen zu lassen, steht einem unternehmungslustigen Sommer an der französisch-spanischen Grenze eigentlich nichts mehr im Wege! 

Fazit zu meiner besten Reiseerfahrung der letzten Jahre 

Es fällt mir in zweierlei Hinsicht schwer, diese Zeilen für Euch zu tippen. Einerseits haben die vergangenen Wochen und Monate in Zeiten einer globalen Pandemie all unsere Reiseherzen auf eine harte Probe gestellt, und das Fernweh konstant beflügelt. Andererseits ruft es so viele warme Erinnerungen in mir hervor, Euch von dieser Reise zu berichten, dass ich nun mit Sicherheit weiss, dass ich schnellstmöglich in ein neues Abenteuer aufbrechen möchte, von welchem ich Euch natürlich zuallererst berichte! 

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Autorin

Lilli ist am liebsten in den Wolken - und das nicht nur mit ihrem Kopf. Schon als Kind tourte sie mit einer Tanzgruppe durch Europa, heute ist Fernweh ihr ständiger Begleiter. Wenn sie sich nicht gerade mit ihrem Studium in Berlin beschäftigt, sitzt sie irgendwo auf der Welt hinter ihrem Laptop und berichtet für Euch über die angesagtesten Travel News rund um den Globus - direkt hier auf reisetopia.de!

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