Die Fluggesellschaft Qantas fordert aus Planungsschwierigkeiten und Existenzängsten das Ende des australischen Lockdowns.

Die australische Regierung hat vor wenigen Tagen in Form eines Stufenplans in vier Phasen neue Details zur Aufhebung der Reisebeschränkungen veröffentlicht. Einen konkreten Zeitplan beinhaltet der Stufenplan allerdings nicht, weshalb die Zielsetzung kritisiert wird und nicht realistisch erscheint. Auch die australische Airline Qantas äussert Unzufriedenheit an den Plänen und fordert das finale Ende des langwierigen Lockdowns, wie Simple Flying kürzlich berichtete.

Forderung nach Klarheit über Grenzschliessungen und Lockdowns

Australien ist derzeit damit beschäftigt, die Anzahl an internationalen Ankünften weiter zu verringern – und das, obwohl die Grenzen ins Ausland sowieso seit März 2020 geschlossen sind und dies wohl vermutlich seitens der australischen Regierung auch weiterhin so bleiben wird. Eine Tatsache, die insbesondere den Beschäftigten in der Luftfahrt Bauchschmerzen bereitet, da gerade Airlines und Flughäfen stark unter dem ewigen Hin und Her, den Planungsschwierigkeiten und ständig wechselnden Grenzschliessungen leiden. Qantas-CEO Alan Joyce fordert deshalb nun gemeinsam mit Kollegen aus der Branche das Ende des australischen Langzeit-Lockdowns, um die eigenen Unternehmen sowie die gesamte Luftfahrtindustrie nicht noch weiter zu gefährden und in den Ruin zu stürzen.

Joyce kritisiert die australische Corona-Politik bereits seit geraumer Zeit und kann den schnellen Grenzschliessungen und Reisebeschränkungen nichts abgewinnen. Laut dem Airline-Chef müssten die unnötigen Unterbrechungen ein Ende nehmen und man benötige Klarheit über die Grenzschliessungen und Lockdowns. Denn nur so könne Qantas irgendwann wieder einen Aufschwung nach der langen Flaute verzeichnen und das Vorkrisenniveau von 2019 erreichen.

If the logic of Dan Andrews (Victoria Premier) and Annastacia Palaszczuk (Queensland Premier applies, once we’ve got every adult who wants a vaccine to be vaccinated, then surely that should be the threshold.

Alan Joyce, Qantas-CEO gegenüber der “The Australian newspaper”

Bezüglich der COVID-19-Schutzimpfung vertritt Alan Joyce die Ansicht, dass zunächst alle Risikopatienten geimpft werden sollten, gefolgt von denjenigen, die sich gerne impfen lassen würden. Im nächsten Schritt sollten dann die Grenzen wieder öffnen, da bis dahin dann alle Interessenten ihre Chance auf eine Impfung bekommen haben.

Scharfe Kritik an den internen Grenzschliessungen

Qantas musste seit Ausbruch der Krise nahezu alle internationalen Flüge einstellen, doch auch der nationale Flugverkehr ist infolge der Pandemie stark eingebrochen. Die vielzähligen internen Grenzschliessungen aufgrund von Neuinfektionen in den jeweiligen Destinationen habe die Situation noch weiter verschlechtert.

Alan Joyce befürwortet grundsätzlich die Schliessung der internationalen Grenzen, kritisiert jedoch vor allem den Fakt, dass die Grenzen im Inland oftmals direkt nur aufgrund von ein oder zwei neuen COVID-19-Fällen geschlossen wurden, was in der Vergangenheit bereits oft zu einem massiven Chaos bei den Inlandsflügen von Qantas geführt hatte. Laut Joyce basiere eine interne Grenzschliessung vielmehr auf politischer Zweckmässigkeit als auf wissenschaftlich fundierten gesundheitlichen Hintergründen. Beispielsweise befindet sich Sydney wieder erneut in einem zweiwöchigen Lockdown mit etwaiger Verlängerung. Grund dafür sind achtzehn neue Fälle von COVID, die am vergangenen Dienstag registriert wurden. Australien reagiert sehr schnell und regelt die Städte mehrmals ab, um einen erneuten Corona-Ausbruch zu verhindern. In anderen Städten blieben laut Joyce jedoch sogar trotz Tausenden neuen Fällen, siehe am Beispiel Londons, die Grenzen geöffnet.

Im vergangenen Mai schien der Inlandsflugverkehr auf dem Weg der Besserung. Die Kapazitäten wurden schnell hochgefahren und genutzt und einige Fluggesellschaften, darunter auch Virgin Australia, erholten sich finanziell zunehmend. Mitte Juni kam es dann zu einem erneuten Shutdown, diesmal in Melbourne, Australiens zweitgrösste Stadt, die für mehrere Wochen geschlossen wurde. Mittlerweile ist Melbourne nicht mehr geschlossen, dafür allerdings Sydney. Auch Perth, Brisbane, Darwin und sogar Alice Springs waren von kleineren Absperrungen betroffen. Aufgrund dieser COVID-Ausbrüche muss auch die quarantänefreie Reiseblase zwischen Australien und Neuseeland des Öfteren pausiert werden, um die neuseeländische Bevölkerung nicht zu gefährden.

Fazit zu Qantas Position bezüglich des neuen Stufenplans

Die australische Fluggesellschaft Qantas leidet weiterhin stark unter den Ausmassen der Pandemie – und das zurecht. Denn obwohl Australien als eines der ersten Länder weltweit die COVID-Situation weitestgehend im Griff hatte, bleibt die australische Regierung hart und hält an den strikten Auflagen fest. Nicht einmal der neu veröffentlichte Stufenplan zur Rückkehr zur Normalität gibt Hoffnung auf eine baldige Öffnung. Laut des Plans müssen sich sowohl Touristen als auch die Australier selbst noch einige Jahre gedulden. Qantas muss aus diesem Grund genau wie die Konkurrenz eine schwere Phase in der Luftfahrtbranche durchstehen, da genauere Planungen und erste schwarze Zahlen infolge des Grenz-Chaos kaum möglich sind.

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