Der norwegische Reiseveranstalter World Visitor bietet auf seiner Webseite Corona-Impfreisen nach Russland ab 1’200 Euro an. Die Reisenden erhalten den Impfstoff Sputnik V im Transitbereich eines Flughafens in Moskau.

Es ist ein Thema, das seit Wochen polarisiert und stark umstritten ist. Verschiedene Veranstalter bieten sogenannte Impfreisen an, bei denen gut zahlende Kunden im Rahmen einer Reise eine Impfdosis erhalten. Bisher waren solche Impfreisen nur für sehr Wohlhabende realisierbar. Für eine international anerkannte Impfdosis inklusive der Injektion in einem der Golf-Staaten zahlte man fünf- bis sechsstellige Summen. Nun öffnet auch Russland seine Grenzen für Touristen, die sich gegen COVID-19 impfen lassen möchten – und das deutlich preiswerter, wie unter anderem abouttravel berichtet.

Ablauf einer Impfreise nach Russland

Es ist kein neues Konzept, stark umstritten bleibt es dennoch. Nachdem bereits am Anfang des Jahres ein britischer Privatclub Impfreisen in die Vereinigten Arabischen Emirate lancierte, öffnet Russland den Ausländern die Grenzen und gewährt den Impf-Touristen Zutritt in das Land. Ein norwegischer Reiseveranstalter hat hierfür bereits das passende Programm zusammengestellt.

Dieser bietet verschiedene Reiseoptionen an, die alle eins gemeinsam haben: Eine Impfung mit dem russischen Impfstoff Sputnik V ist inklusive. Das günstigste Angebot ist für rund 1’500 Euro erhältlich und umfasst einen Kurztrip nach Moskau. Die Reisenden reisen bei diesem Angebot zweimal im Abstand von 21 Tagen in die Transitzone eines Moskauer Flughafens, um beide Impfdosen zu erhalten. Im Anschluss an die erste Impfung erfolgt zusätzlich ein Ausflug nach Istanbul. Der zweite Reisezeitraum gestaltet sind deutlich kürzer: Impfen lassen und wieder zurückfliegen. Das hat den Vorteil, dass die Einreisenden kein Visum beantragen müssen.

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Zum Anderen kann man ab 2’000 Euro zweimal für je vier Tage nach Moskau reisen. In diesem Zeitraum kommt neben der Verabreichung der Impfdosis auch der touristische Aspekt nicht zu kurz. Laut Anbieter würden allerdings zusätzliche Kosten in Höhe von ein paar hundert Euro für die Ärzte, Dolmetscher und den Impfstoff selbst anfallen.

Für Langzeitreisende gibt es auch noch Angebote, die sich über einen Zeitraum von 22 Tagen erstrecken. Durchgeführt werden die Flüge von der russischen Airline Aeroflot. Inkludiert sind Transfers zum Flughafen und zur Impfung, Dolmetscher und die Übernachtungen mit Frühstück in einem luxuriösen Vier-Sterne-Hotel. Für den Abstand von 21 Tagen zwischen der ersten und zweiten Impfung stehen dann verschiedenste touristische Aktivitäten in Moskau auf dem Programm.

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In naher Zukunft wird das Impfzentrum im Transitbereich des Flughafens eröffnen und ab diesem Zeitpunkt können die Reservierungen entweder verbindlich gebucht oder aber auch wieder kostenlos storniert werden. Reisende benötigen lediglich die finanziellen Mittel sowie einen negativen PCR-Test, nicht älter als 72 Stunden, um nach Moskau fliegen zu dürfen.

Impfstoff Sputnik V

Geimpft wird auf diesen Impfreisen mit dem Impfstoff Sputnik V. Der Impfstoff Sputnik V ist in Russland entwickelt worden und darf momentan in der EU und in der Schweiz noch nicht verabreicht werden. Die ausstehende Zulassung sagt jedoch nichts über die Wirksamkeit der Impfung aus. Das bedeutet, dass sich Touristen zwar mit Sputnik V impfen lassen dürfen, jedoch nicht in den europäischen Ländern. Lediglich in Ungarn wird das Vakzin bisher verabreicht.

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Wichtig zu berücksichtigen ist allerdings die Tatsache, dass der Impfstoff in der Schweiz bisher weder zugelassen, noch geprüft wurde. Das bedeutet – wenn es zu Lockerungen für Geimpfte kommen sollte -, dass die mit Sputnik V-Geimpften Reisenden zwar gesundheitlich gegen das Coronavirus abgesichert sind, aber nicht dieselben Vorteile wie Geimpfte mit beispielsweise AstraZeneca oder Biontech geniessen können.

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Das könnte sich beispielsweise im öffentlichen Leben zeigen oder auch beim Reisen. Geimpfte mit anerkannten Impfungen könnten zukünftig nach Vorzeigen ihres Impfpasses Festivals oder Konzerte besuchen oder auf Reisen gehen. Ob das dann auch für den russischen Impfstoff gilt, bleibt abzuwarten.

Die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit

Viele Länder in Europa, darunter auch einzelne Kantone in der Schweiz, liegen im internationalen Vergleich in Betracht auf den Impfprozess ziemlich zurück. Aufgrund von Lieferengpässen bei Pfizer/BioNTech und Moderna müssen einige Kantone das ursprünglich angedachte Impftempo verlangsamen.

Schnell wird klar, dass sich in so einer Situation ein Geschäftsmodell entwickeln kann. Wie oben beschrieben machen sich das auch bereits einige Unternehmer mit dem Angebot von Impfreisen zunutze. Um möglichst viele Menschen mit den Impf-Angeboten zu erreichen, werden die Impfreisen nun sogar von internationalen Reiseanbietern umworben. Reisebüros können sich ebenfalls bei dem norwegischen Anbieter World Visitor anmelden und erhalten für Buchungen eine Vermittlungsprovision in Höhe von 10 Prozent.

An diesem Punkt wird deutlich, wie umstritten solche Corona-Impfreisen tatsächlich sind. Anbieter nutzen die Situation vieler Europäer aus und generieren dabei Unmengen an Einnahmen. Ausserdem nimmt man als gesunder Mensch den Risikopatienten und anderen Bedürftigen die Impfstoffe weg, obwohl Russische Privatkliniken die Erlaubnis erhalten haben, auch Nicht-Russen zu impfen. Letztendlich muss man sich fragen, ob man das umstrittene Geschäft unterstützt oder weiterhin auf eine baldige Impfung in der Heimat hofft.

Fazit zu den Impfreisen nach Moskau

Die Reisebranche ist noch in sehr gespaltener Meinung über die Impfreisen. Zum einen bieten sie vielen Menschen die Chance auf Sicherheit, während die ganzen Programme gleichzeitig sehr fragwürdig und moralisch nicht vertretbar erscheinen. Zukünftig bleibt wohl erst einmal abzuwarten, welche Impfstoffe in den künftigen digitalen Impfpässen überhaupt aufgeführt werden. Wem es allerdings nur um den Schutz geht, dem stehen die Tore nach Russland mit diesem neuen Angebot geöffnet.

Was haltet Ihr von den Impfreisen ins Ausland? Eher eine Chance oder doch ein unmoralischer Akt?

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