In Israel wird es ab nächster Woche zwei Bevölkerungsgruppen geben: Die Geimpften, die einen “Green Pass” erhalten und somit wieder fast normal am öffentlichen Leben teilnehmen können – und die zweite Hälfte der Bevölkerung – die Nicht-geimpften.

Israel machte in den letzten Wochen immer wieder Schlagzeilen, da das Land eine überdurchschnittliche Impfquote hat. Gleichzeitig wurden frühzeitig aber auch immer wieder mögliche Privilegien für die Geimpften vorgeschlagen, wie etwa eine Befreiung von der Quarantänepflicht. Auch wurde seit mehreren Wochen bereits an einem neuen grossen Projekt gearbeitet: dem “Green Pass”. Diesen erhalten fortan alle geimpften Personen etwa eine Woche nach ihrer zweiten Impfung. Mit diesem Pass können sie dann wieder in Hotels, Fitnessstudios, Schwimmbäder und ab März auch wieder in Restaurants und Bars, wie The Guardian berichtet.

“Erster Schritt zurück ins normale Leben”

Nachdem der Start der Impfkampagne in Israel ausserordentlich erfolgreich war und mittlerweile rund 50 Prozent der Bevölkerung gegen Covid-19 geimpft sind, ist nun ab nächster Woche der bereits angekündigte “Green Pass” erhältlich. Eine Woche nach der zweiten erfolgreichen Covid-Impfung wird er ausgestellt und ermöglicht den geimpften Personen eine Rückkehr ins normale Leben. Der Pass verspricht Zutritt zu Freizeiteinrichtungen wie Hotels, Fitnessstudios, Schwimmbädern, Konzerten und Gotteshäusern. Für die Geschäfte und Einrichtungen bedeutet das, dass sie endlich wieder öffnen können. Ab März sollen dann auch Restaurant- und Barbesuche wieder möglich sein. Damit möchte Israel auch weitere Personen dazu animieren, sich impfen zu lassen, da die täglichen Impfraten in letzter Zeit etwas zurückgegangen sind. Seit aber die Details über den neuen Pass bekannt wurden, sind die Raten bereits wieder etwas angestiegen. Einen noch grösseren Effekt erhofft man sich dann nach dem Start des Passes.

Jerusalem Israel

Mit anderen Massnahmen wie etwa Reisekorridoren für Geimpfte – wie erst kürzlich mit Griechenland vereinbart – versucht Israel auch internationale Reisen wieder zu ermöglichen.

Tel Aviv

Zum jetzigen Zeitpunkt ist jedoch noch nicht klar, inwiefern das System sich in der Praxis beweisen wird, denn bereits in den Lockdowns gab es immer wieder Verstösse, sodass Cafés und Bars trotz Verbot öffneten. Denkbar ist, dass sie also auch Personen ohne “Green Pass” bewirten könnten. Eine weitere Sorge des israelischen Gesundheitsministeriums ist, dass sich gefälschte “Green Passes” schnell verbreiten könnten. Um dem entgegenzuwirken, wurden bereits Warnungen ausgesprochen. Wer mit einem gefälschten Pass erwischt wird, muss umgerechnet über 1’100 Euro Strafe zahlen.

Problem: Was passiert mit den unter 16-Jährigen?

Was vielen Gruppen schon in wenigen Tagen eine deutlich grössere Freiheit zurückbringt, bringt einer weiteren Bevölkerungsgruppe nichts. Für die unter 16-Jährigen ist der Impfstoff nicht zugelassen und logischerweise können sie somit auch keinen “Green Pass” ausgestellt bekommen.

Of course, the main problem will be with minors. They can’t be vaccinated. So in order to come twice a week to the gym or to the pool, they will have to be tested twice a week. It sounds problematic.

Armin Grunewald, Hoteldirektor eines Hotels in der Nähe vom See Genezareth
Tel Aviv

Für die Jugendlichen und Kinder bleiben die Freizeiteinrichtungen also weiterhin geschlossen, ausser es handelt sich um solche, bei denen einem auch mit einem negativen Testergebnis der Zutritt gewährt wird. Jedoch scheint ein Coronatest vor jedem Besuch eines Schwimmbads oder Sportstudios auch nicht besonders alltagstauglich.

Fazit zu Israels “Green Pass”

In vielen Ländern wird eine Art Impfpass diskutiert, doch kein Land ist dabei so weit im Prozess fortgeschritten wie Israel. Für die Geimpften ist der Schritt zurück in die Normalität dabei etwas sehnlichst herbei gewünschtes, doch wird es wohl auch für eine gewisse Zeit eine “Zweiklassen-Gesellschaft” fördern. Generell sind solche “Green Passes” natürlich auch immer noch vom Blickwinkel der ungleichen internationalen Impfkampagne zu betrachten. Hier würden grüne Pässe, besonders wenn sie sich auf Reisen beziehen, dazu führen, dass die Bürger der reicheren und einflussreicheren Nationen zuerst in den Genuss solcher Vorteile kommen, da sie den meisten Impfstoff beschaffen konnten.

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Autor

Wenn Anna unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Selten ist sie mehr als ein paar Tage am selben Ort. Der nächste Kurztrip oder eine Fernreise stehen immer schon in ihrem Kalender. Nach ihrem Tourismus-Studium konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und teilt auf reisetopia.ch ihre Erfahrungen, Tipps und News aus der Reisewelt mit euch.

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