Vor einem Flug jedes Mal zittern, ob man mitgenommen wird? Für viele ist diese Art des Reisens nicht attraktiv, für mich gehörte es jedoch über zwei Jahre zu meinem „Reisealltag“ – eine aussergewöhnliche Erfahrung, die ich hier mit euch teilen möchte.

Im Rahmen der Serie „mein aussergewöhnlichstes Flugerlebnis“ haben meine Kollegen bereits fleissig über ihre Erfahrungen berichtet, mal in einem Helikopter, mal in einer Cessna. Meine Erfahrung bzw. Erfahrungen schlagen jedoch in eine ganze andere Richtung, denn heute berichte ich über das sogenannte “Standby-Fliegen”.

Standby-Fliegen: überbuchte Maschinen und zittern am Gate

Aufgrund der Tatsache, dass mein Freund über zwei Jahre bei der Lufthansa Group tätig war, konnte ich als Lebensgefährtin den attraktiven Vorteil des Standby-Fliegens mitnutzen. Dabei ist es möglich für einen vergünstigten Preis ein Flugticket bei der Lufthansa Group aber auch anderen Partner Airlines wie etwa Avianca, KLM, oder Qatar Airways zu buchen. Der Haken daran: ein Vollzahler hat immer Vorrang. Heisst, wenn das Flugzeug voll ist, wird man nicht mitgenommen. Sofern einen Tag vor Abflug noch genügend freie Plätze im Flugzeug vorhanden waren, habe ich mir eigentlich selten Gedanken gemacht – die Realität sah zumindest auf meinen geflogenen Strecken des Öfteren anders aus: überbuchte Maschinen und zittern am Gate.

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Viele fragen sich jetzt sicher, wieso ich das überhaupt in Anspruch genommen habe, im ersten Moment klingt es ja eher nach Stress als nach einem unbeschwerten Erlebnis. Das stimmt irgendwie auch, trotzdem hat es Spass gemacht und ein ganz besonderes Erlebnis vermittelt. Tatsächlich ist es mir auch nur einmal passiert, dass ich wirklich am Gate stehen gelassen wurde, konnte dann aber problemlos den späteren Flug nehmen. Selbst mein Freund, der beruflich mehrmals pro Woche ausschliesslich per Standby-Ticket flog, ist meistens doch noch mitgekommen und das, obwohl Flugzeuge oft überbucht waren und es noch andere Standby-Passagiere gab. Doch gerade während Langstreckenreisen stiess man schon des Öfteren an seine Grenzen, wie meine Reise vor zwei Jahren nach Mexiko und Kolumbien zeigen sollte.

Spontane Last-Minute Umbuchung und Flug mit TUIfly

Etwas schmerzhaft musste ich die Nachteile des Standby-Fliegens kennenlernen, als ich vor zwei Jahren nach Cancún flog bzw. fliegen wollte. Gebucht hatten wir ein Ticket in der Premium Economy mit Eurowings – ab Düsseldorf wäre es direkt nach Mexiko gegangen.

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Natürlich haben wir im Laufe der Zeit schon unsere ganze Reise geplant und auch in regelmässigen Abständen die Auslastung im Flugzeug geprüft, die eigentlich immer gut aussah – zumindest bis drei Wochen vor Abflug. Denn Eurowings hat sich zu diesem Zeitpunkt entschlossen, einen Sale für ebendiese Strecke mit grosser Ankündigung auf der Startseite zu starten. So sahen wir Tag für Tag wie die freien Sitzplätze im Flugzeug geringer wurden, bis die Maschine mit minus 18 Plätzen überbucht war. So wirklich realistisch war es also nicht auf dem Flug als Standby-Passagier mitzukommen.

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Wir waren somit gezwungen Alternativen zu prüfen, wobei wir bemerkten, dass diese ebenfalls restlos überbucht waren oder aufgrund anderer Merkmale keine Alternative darstellten. Letzten Endes habe ich dann durch Zufall online einen TUIfly Flug ab Brüssel direkt nach Cancún gefunden, der für eine spontane Buchung (zwei Tage vor Abflug) mit 285 Euro doch recht günstig war.

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Praktischerweise konnten wir dann wenigstens Standby und günstig nach Brüssel gelangen, hier bekamen wir sogar Premium Eco Plätze und hatten keinerlei Probleme. Meinen Reisestart hatte ich mir zwar etwas anders vorgestellt, aber immerhin war ich froh, überhaupt zum gewünschten Datum in Mexiko landen zu können.

Warten bis zur letzten Minute in Bogotá

Nachdem ich nach meinem Aufenthalt in Mexiko noch einige Wochen in Kolumbien verbrachte, gestaltete sich auch der Heimweg nicht besonders einfach. Einige von Euch wissen, dass es nicht allzu viele Möglichkeiten gibt, um direkt von Kolumbien nach Deutschland zu gelangen – um genau zu sein zwei. Mit der Lufthansa ab Bogotá nach Frankfurt oder mit Avianca nach München. Die Verfügbarkeiten waren eigentlich bei beiden Optionen in Ordnung, bei der Buchung haben wir uns deswegen für den Lufthansa Flug entschieden, da wir hier Standby-Tickets für die Business Class Tickets buchen konnten. Doch auch hier musste wir zwei Tage zuvor feststellen, dass es wieder knapp werden konnte. Die Business Class war ausgebucht – immerhin jedoch nicht überbucht – und die Eco überbucht. Für uns war klar, dass wir es auf jeden Fall trotzdem versuchen werden. Für den Notfall, dass wir nicht mitgenommen werden, buchten wir auch noch einen zweiten Flug mit Avianca in der Economy Class (ging nicht anders), den wir anschliessend hätten wahrnehmen können.

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Dummerweise wurde am Tag des Abflugs dann am Mittag bekannt, dass der Flug Verspätung haben wird und deswegen erst um ein Uhr nachts geht. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns dann den früheren Avianca Flug zu nehmen, da wir sonst nachts in Bogotá festgesessen hätten, wenn uns Lufthansa nicht mitgenommen hätte. Aber auch der Avianca-Flug stellte sich als richtiger Krimi heraus, denn der Flieger war ebenfalls voll und es gab mit uns sechs Personen auf der Standby-Liste. Beim Boarding wurde uns schon gesagt, dass man uns noch kein Ticket zuweisen kann und wir warten müssen bis alle Passagiere im Flugzeug sind. Zwischendurch sah ich bereits, wie zwei der anderen Standby-Passagiere Tickets bekamen und boarden konnten.

Mit der Zeit wurde auch ich etwas unruhiger, denn die Chancen standen nicht gerade gut. Als dann keiner der Passagiere mehr am Gate stand und sich niemand bei uns meldete, hatte ich eigentlich keine Hoffnung mehr. Trotzdem ging ich natürlich noch mal vor und fragte. Tatsächlich gab es genau noch vier freie Plätze von Passagieren, die nicht kamen, woraufhin wir direkt boarden konnten. Anschliessend wurden auch schon die Türen geschlossen und das Flugzeug rollte los. Auch wenn der Flug nicht unbedingt komfortabel war, stellte sich im Nachhinein das Nicht-wahrnehmen des Lufthansa Fluges als schlaue Entscheidung heraus, denn in der Business Class war lediglich nur noch ein Platz frei – heisst, mein Freund und ich hätten nicht beide mitfliegen können.

Standby-Fliegen: Flexibilität als grösster Vorteil

Auch wenn diese beiden Storys eher unattraktiv klingen, hat die Welt des Standby-Fliegens tolle Vorteile. Denn die Flexibilität, die man dadurch erlangt, ist für Vielreisende wirklich traumhaft. Ich erinnere mich an eine Situation am Flughafen in Frankfurt, als ich etwas früher ankam als geplant und beim Weg zum Gate an einem anderen vorbeikam, wo gerade noch für einen Flug nach Berlin geboardet wurde. Spontan fragte ich an, ob man mich auf den Flug umbuchen könne – und zack war ich im Flugzeug. Mein gesamter Aufenthalt am Flughafen beschränkte sich so auf gerade einmal zehn Minuten und das ganz ohne Stress. Ähnliche Situation hatte ich als ich letztes Jahr, ebenfalls beim Umstieg in Frankfurt, eine unendlich lange Schlange am Centogene Testcenter vorfand, mich aber noch testen lassen wollte bzw. musste. Bis zu meinem nächsten Flug war nicht mehr allzu viel Zeit, die Wahrscheinlichkeit diesen zu verpassen war recht gross. Also buchte ich mir einfach einen zweiten späteren Flug nach Berlin und musste mir so keinen Stress machen.

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Darüber hinaus ist es natürlich auch Vorteilhaft, dass man normalerweise recht gute Sitzplätze zugewiesen bekommt bzw. nochmal ganz spezielle Wünsche äussern kann. Sofern verfügbar, gibt es eigentlich immer einen Platz ganz vorne, bei Eurowings z.B. auch des Öfteren im more legroom. Je nach Personal und Flughafen konnte ich mich auch über Priority Boarding oder vorteilhafte Behandlung am Check-In freuen. Zusätzlich dazu gab es des Öfteren Vorteile während des Fluges, gerade bei Eurowings dann auch mal ein Getränk oder einen Snack – man erkennt andere Standby-Flieger in der Regel wohl relativ einfach.

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Was mich am Ende jedoch am meisten beim Standby-Fliegen begeisterte, war die Flexibilität des Reisens. Denn man kommt Standby eigentlich überallhin, zahlt immer denselben Preis und kann so innerhalb kürzester Zeit los. Nicht selten habe ich zumindest innerdeutsche Flüge am selben Tag gebucht und innereuropäische ein oder zwei Tage vor geplantem Abreisedatum. Einerseits ist es natürlich praktischer, um die echten Verfügbarkeiten zu sehen, andererseits kann man dann die Reise seinem Plan anpassen und muss sich nicht zu sehr einschränken. Für „normale“ Reisende ist diese Spontanität in der Regel recht teuer, gerade was Langstreckenflüge betrifft.

Fazit zur meinem aussergewöhnlichsten Flugerlebnis

Die Zeit des Standby-Fliegens war ohne Frage eine spannende und tolle. Auch, wenn es sich gerade bei Fernreisen als planungsintensiv darstellte und mir hier und da schon mal Bauchschmerzen bereitete, war es immer mit Spass verbunden. Ich liebe das Fliegen sowie das Heraussuchen von möglichen Verbindungen und Optionen. Auch wenn ich etwas traurig bin, dass ich diese Option nicht mehr nutzen kann, habe ich jedoch jetzt glücklicherweise die Welt der Meilen für mich entdeckt, welche ebenfalls Flexibilität verspricht sowie meine vorher benannten Leidenschaften perfekt abdeckt.

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Autorin

Seit Lena ihren ersten Langstreckenflug bestritt, ist das Thema Reisen nicht mehr aus ihrem Alltag wegzudenken. Sie liebt es neue Länder zu erkunden und dabei ebenso die besten und außergewöhnlichsten Unterkünfte zu testen. Bei Reisetopia nimmt sie Euch mit auf ihre Reisen und teilt neben ihren eigenen Tipps & Erfahrungen auch die neusten Deals.

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  • Da hat wohl jemand übersehen dass solche Informationen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Diese Regeln hat auch Lena beim Buchen der Reise akzeptiert!

    • Hey Sven, ich habe mit Absicht keine genauen Details genannt und gebe lediglich erste Einblicke – ich denke nicht, dass das ein großes Problem darstellt. Viele Grüße

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