Zwischenfälle in der zivilen Luftfahrtbranche scheinen sich in den vergangenen Wochen und Monaten zu häufen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Mündet der nächste Zwischenfall gar in einer Katastrophe?

Zwischenfälle und Meldungen von irregulären Vorgängen oder Geschehnissen sind in der zivilen Luftfahrt keinesfalls die Seltenheit. So kommt es auch, dass nur in seltensten Fällen eine Gefahr für einen Unfall bestand. Und dennoch erwecken solche Meldungen in der Öffentlichkeit ein grosses Interesse, da sie eben so selten erscheinen. Bei Emirates scheinen sich diese Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit jedoch zu häufen, wie aeroTELEGRAPH auf Quellen von Avherald.com berichtet. Beobachtungen, die auch andere Airlines machen müssen.

Der nächste Zwischenfall könnte eine Katastrophe mit sich führen

Zwischenfälle im Alltag oder im Berufsleben sind keine Seltenheit, wenn auch meist vermeidbar. In der Luftfahrtbranche erwecken diese jedoch umso mehr Aufmerksamkeit. So ist bei einer ausserplanmässigen Landung schnell die Rede von einer Notlandung, die fast in einer Katastrophe endete. So musste zuletzt ein Condor-Flug auf Fuerteventura aus Sicherheitsgründen vorzeitig landen. Probleme mit dem Triebwerk mündeten in diese Entscheidung, die Landung glückte letztlich sicher und ohne besonderer Vorkommnisse. Einmal mehr bestätigt sich jedoch, dass die Startphase eine der sensibelsten während eines Fluges ist. Vor wenigen Tagen ereignete sich nämlich ein Zwischenfall am internationalen Flughafen von Dubai. Hier gerieten zwei Boeing 777-300 von Emirates gefährlich nah aneinander. Technische Probleme waren jedoch kein Grund.

1920 Emiratesb777 2 2 Cropped

Vielmehr ist es die Aufmerksamkeit der Crew des Fluges EK 524 von Dubai nach Hyderabad zu verschulden, dass es hier beinahe zu einem Crash auf der Startbahn gekommen wäre. Denn während das Flugzeug mit der Registrierung A6-EQA ohne Freigabe den Startlauf begann, kreuzte eine andere Boeing desselben Typs mit der Flugnummer EK 568 eben diese Startbahn. Das Flugzeug mit der Registrierung A6-EBY war auf dem Weg zur Startbahn und hatte dafür die Erlaubnis, diese zu kreuzen. Zwei unterschiedliche Quellen berichten davon, dass der Start aber noch rechtzeitig nach Hinweis des Towers abgebrochen werden konnte. Die Geschwindigkeit soll je nach Quelle zwischen 100 und 130 Knoten (185 bis 240 km/h) betragen haben. Dennoch konnte der Startvorgang noch rechtzeitig abgebrochen und der Flug mit 30-minütiger Verspätung fortgesetzt werden. Keine Selbstverständlichkeit.

Häufung von Fehlern

Beim Startvorgang kommt es zu einer kritischen Geschwindigkeit V1. Wird diese erreicht, ist ein Startabbruch nicht mehr möglich – das Flugzeug muss rotieren und abheben. Ein Startabbruch beansprucht zudem die Bremssysteme des Flugzeuges, die dabei überhitzen könnten. Da der Flug mit demselben Gerät später fortgesetzt werden konnte, bestand offensichtlich keine Gefahr diesbezüglich. In jedem Fall wird dieser Vorfall ein Nachspiel haben. Erst kürzlich ereignete sich ein anderer Zwischenfall bei Emirates in Dubai. Dabei konnte die Crew einer Boeing 777 gerade noch rechtzeitig den Rotationsvorgang einleiten und das Flugzeug sicher in die Luft bringen. In späteren Berichten war die Rede davon, dass das Flugzeug nur knapp die Dächer der umliegenden Häuser überfliegen konnte. Grund für den Zwischenfall war eine falsche Einstellung des Autopiloten.

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Solche Zwischenfälle stellen aktuell keine Seltenheit mehr dar. Mit Zunahme des Reiseverkehrs in den vergangenen Monaten mussten auch wieder mehr Piloten eingestellt werden. Die reaktivierten Piloten kehren mitunter erst jüngst wieder in den Liniendienst zurück und müssen für den Einsatz wieder trainiert werden. Die fehlende Routine führte jedoch zu Fehlern beim Startvorgang oder im Reiseflug. Von angezogenen Parkbremsen bis fehlerhaften Angaben aufgrund von Verwechslungen lässt sich ein einfaches, aber ernüchterndes Muster erkennen. Das Fazit liegt mit unnötigen Konzentrationsfehlern auf der Hand. Qantas berichtete zuletzt von der Häufung dieser vermeidbaren Fehler, die glücklicherweise ebenfalls lediglich als Zwischenfälle registriert werden. Nach dem Vorfall bei Emirates vor wenigen Wochen wurden jedoch Stimmen lauter, die die Airline für unzureichendes Training der Piloten kritisieren.

Fazit zum Zwischenfall in Dubai

Die Frage, wann der nächste Zwischenfall vielleicht zu einem Unglück führen könnte, stellt sich durchaus berechtigt. Zwischenfälle in der zivilen Luftfahrt scheinen sich aktuell zu häufen. Die Gründe dafür liegen jedoch auf der Hand: Unkonzentriertheiten wegen fehlender Routine oder unzureichender Ausbildung der Crews. Vor allem ersteres wird vermehrt in der Vergangenheit beobachtet. Die Corona-Pandemie fordert damit ein nicht vorhersehbares Problem ans Tageslicht, welches tatsächlich in naher Zukunft zu einer grösseren Katastrophe führen könnte. Wichtig ist, dass Airlines entsprechende Gegenmassnahmen ergreifen. Etwas, das bei Emirates zuletzt durchaus fehlte.

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Autor

Seit Alex zum ersten Mal im Alter von 3 Jahren geflogen ist, wollte er das Flugzeug eigentlich nicht mehr verlassen. Bis heute riss seine Faszination fürs Fliegen nicht ab, weshalb er sich entschlossen hat, Euch an seinen Erfahrungen und Tipps teilhaben zu lassen.

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