In einem Votum der Mitglieder der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat eine grosse Mehrheit für erneute Streiks gestimmt. Erste Details zu den weiteren Streiks soll es am morgigen Montag geben.

Es drohen erneute Streiks bei den Flugbegleitern der Lufthansa. Wie die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo bekanntgeben hat, haben Ufo-Mitglieder in allen Betrieben der Lufthansa Gruppe einem erneuten Streik zu gestimmt. Auch wenn die Swiss nicht betroffen sein wird, werden die Folgen für Reisende von und in die Schweiz spürbar sein.

Zweiter Streik könnte deutlich umfangreicher ausfallen

Nachdem die Flugbegleiter vor einigen Tagen für 19 Stunden gestreikt hatten, musste die Lufthansa Gruppe trotz kurzfristigen Intervention (schlussendlich konnte der Streik nur bei den Töchtern der Airline stattfinden) die Streichung von hundert Flügen hinnehmen. Dass die Folgen des Streikaufrufs begrenzt waren, lag auch daran, dass der Arbeitskampf an einem Sonntag stattgefunden hat und die Lufthansa selbst nicht bestreikt wurde. Sollte es zu einem erneuten Streik kommen, könnten die Folgen deutlich gravierender sein. Es droht der Ausfall von mehreren hundert oder gar tausenden Flügen – je nach Länge eines möglichen Streiks.

Eurowings Airbus A320

Wie genau ein solcher aussehen kann, ist aktuell noch nicht klar. Weitere Details hierzu möchte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Montag bekanntgeben. Am Freitag wurde nur festgehalten, dass die Mitglieder einem Streik mit klarer Mehrheit zugestimmt haben. Je nach Betrieb lag die Zustimmung zum Arbeitskampf zwischen 77 und 96 Prozent. Durch das Votum sind Streiks bei der Lufthansa selbst sowie den Töchtern Lufthansa CityLine, Eurowings, Germanwings und Sun Express Deutschland möglich. Nur die Flugbegleiter von Swiss, Air Dolomiti und Austrian Airlines sowie Brussels Airlines werden nicht von Ufo vertreten. Hier drohen entsprechend für den Moment auch keine Streiks.

Lufthansa erkennt Ufo-Vorstand nicht als vertretungsberechtigt an

Der aktuelle Arbeitskampf ist allen voran deshalb ein Trauerspiel, weil es weniger um Gehaltsfragen oder bessere Arbeitsbedingungen, denn um eine Grundsatzfrage geht. Nach internen Querelen hat die Ufo nur noch einen Rumpf-Vorstand bestehend aus zwei Personen, der früher omnipräsente Vorsitzende Nicoley Baublies ist schon länger nicht mehr im Amt. Dafür allerdings besteht der Rest-Vorstand aus zwei Vertrauen des früheren Chefs der Gewerkschaft, der zuletzt mit einer Kündigung seitens seines Arbeitgebers Lufthansa konfrontiert wurde. Die Fronten sind entsprechend verhärtet, hatte Baublies doch einst den längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa organisiert.

Doch den Mini-Vorstand, der von den Mitgliedern noch einmal im Amt bestätigt wurde und in wenigen Monaten neu gewählt werden soll, erkennt die Lufthansa grundsätzlich schon nicht als vertretungsberechtigt an. Die Airline geht sogar vor Gericht gegen die Gewerkschaft vor. Diese steht entsprechend auch an einem Scheideweg, denn keineswegs alle Flugbegleiter der Lufthansa sind Mitglied bei der Ufo, viele sind auch entweder gar nicht in einer Gewerkschaft oder in der ebenfalls die Lufthansa-Flugbegleiter vertretenden Gewerkschaft verdi.

Für Ufo geht es entsprechend möglicherweise auch um die Existenz. Unklar ist unter anderem, wie gut gefüllt die Kassen der Gewerkschaft noch sind, denn einen umfangreichen Streik kann es eben nur dann geben, wenn auch genügend Geld vorhanden ist. Daran gibt es allerdings erhebliche Zweifel, weswegen die Lufthansa möglicherweise darauf baut, dass der Gewerkschaft das Geld zum Streiken fehlt.

Fazit zu den drohenden Streiks bei der Lufthansa

Die Situation zwischen Ufo und Lufthansa ist verfahren. Das liegt nicht primär an den Forderungen rund um Gehalt und Arbeitsbedingungen, sondern am grundsätzlichen Status der Gewerkschaft, welche die Lufthansa gerne loswerden würde. Es bleibt abzuwarten, wie umfangreich die voraussichtlich am Montag angekündigten Arbeitskampfmassnahmen ausfallen werden. Man kann für die Passagiere nur hoffen, dass sich beide Seiten noch gütlich einigen können. Ansonsten drohen hunderte Flugausfälle.

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Autor

Nachdem Alex in den ersten 5 Jahren seines Lebens mehr Zeit in Airbussen als in normalen Bussen verbracht hat, war das Hobby schon früh festgelegt: Fliegen. Egal ob in einer Turboprop oder einem A380, egal ob Holzklasse oder Premium: Der Weg ist das Ziel. Und wer kann schon behaupten in 12 Tagen New York, Singapur, Tokyo, Lissabon und Oslo mit Flügen in der Business Class verbunden zu haben?

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