Dass es nicht gut um den Schweizer Flughafendienstleister steht, wurde bereits in den letzten Wochen deutlich. Die anhaltenden Einschränkungen im Flugverkehr haben Swissport immer mehr in finanzielle Bedrängnis gebracht. Nun ist eine Art Befreiungsschlag gelungen.

Letzte Woche haben wir bereits darüber berichtet, dass der Zürcher Flughafen einen eigenen Airport-Dienstleister gegründet hat, um bei Ausfall eines seiner betriebsnotwendigen Flughafendienstleister abgesichert zu sein. Einer dieser besorgniserregenden Dienstleister war Swissport. Jetzt gibt es aber positive Neuigkeiten bezüglich der finanziellen Lage der ehemaligen Swissair-Tochter. Eine neue Investorengruppe übernimmt den angeschlagenen Airport-Dienstleister, so berichtet unter anderem die Basler Zeitung.

Hohe Verschuldung bereits vor der Krise

Dass Swissport in der Corona-Krise wie alle anderen Luftfahrtbetriebe zu kämpfen hat, ist offensichtlich. Doch auch bereits vor der Pandemie war die wirtschaftliche Situation mit einer Schuldenlast von rund 2,3 Milliarden Schweizer Franken angespannt. Als im zweiten Quartal des Jahres 2020 dann die Umsätze um etwa 70 Prozent einbrachen, stiegen die Verluste weiter an.

Swissport Flugzeug
Quelle: Swissport

Swissport gehörte seit 2015 der chinesischen Untenehmensgruppe HNA Group, die mehr als 100 Tourismus- und Luftverkehrsbetriebe besitzt. Die HNA gehört mit zu den grössten Flugzeugvermietern, ist der Marktführer im In-Air-Catering und das grösste Bodenabfertigungsunternehmen. Doch in den letzten Jahren überschuldete sich auch die HNA Group immer mehr. Im Mai dieses Jahres stand dann fest, dass sie keine Weiteren finanziellen Mittel mehr in die Swissport fliessen lassen wird. Nach fünf Jahren zieht sich die HNA damit nun zurück und die sieben Hedgefonds und Private-Dept-Investoren SVP, Apollo, TowerBrook, King Street, Ares, Cross Ocean Partners und die Barclays Bank übernehmen die Anteile.

Debt-for-Equity-Swap

Die neuen internationalen Investoren steigen nicht mit einem gewöhnlichen Anteilskauf in den Betrieb ein, sondern übernehmen die Anteile in einem milliardenschweren Debt-for-Equity-Swap. Das bedeutet, dass die bisherigen Gläubiger zu neuen Gesellschaftern werden, in dem sie ihre Forderungen in Eigenkapital umwandeln. Dadurch sinken die Forderungen, die die Gläubiger an das Unternehmen stellen und die Höhe des Eigenkapitals steigt. Höhere Eigenkapitalquoten sind sinnvoll, um als Unternehmen langfristig überleben zu können. Nach der Restrukturierung wird die HNA nicht mehr über ihre Aktienmehrheit der Swissport-Anteile verfügen. Für Swissport, die derzeit an 300 Flughäfen sowie 47 präsent ist, ist dies überlebenswichtig.

Swissport Basel 873 1
Quelle: Swissport

Bis Ende des Jahres soll die Transaktion abgeschlossen sein und die Investorengruppe über 75 Prozent der Swissport-Anteile kontrollieren. Mithilfe der neuen Investoren sinkt die Verschuldung von Swissport um etwa 2 Milliarden Franken. Gleichzeitig sichern sie kurz- sowie langfristige Kreditfazilitäten von insgesamt mehr als 800 Millionen Franken zu (davon 300 Millionen kurzfristig und 500 Millionen langfristig). Dieses Geld wird bei Swissport dringend benötigt, denn die Lage ist immer noch angespannt. Es mussten bereits 17’000 der 64’000 Stellen in diesem Jahr gestrichen werden und auch ein weiterer Abbau ist zu erwarten. Nur so kann Swissport eine erfolgreiche Restrukturierung durchführen. Die abzubauenden Stellen sollen nach Möglichkeit aber im Rahmen der natürlichen Fluktuation erfolgen.

Fazit zu den neuen Investoren bei Swissport

Alle relevanten Medien betiteln die Restrukturierung bei Swissport als “Rettung”, “Herausboxen aus der Notlage” oder “Befreiungsschlag”. Dies verdeutlicht wie ernst die Verschuldung des Flugzeugdienstleisters war. Die Investorengruppe wird nun dafür Sorge tragen, dass die finanzielle Situation für Swissport in der näheren Zukunft gesichert ist. Eine gute Nachricht für alle Beteiligten und insbesondere die Schweizer Luftfahrt. Zu berücksichtigen ist in jedem Fall allerdings auch, dass dies bei Weitem nicht der erste Besitzwechsel bei Swissport ist. Es bleibt also spannend, wie sich die Verhältnisse rund um Swissport in Zukunft entwickeln werden.

Autor

Wenn Anna unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Selten ist sie mehr als ein paar Tage am selben Ort. Der nächste Kurztrip oder eine Fernreise stehen immer schon in ihrem Kalender. Nach ihrem Tourismus-Studium konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und teilt auf reisetopia.ch ihre Erfahrungen, Tipps und News aus der Reisewelt mit euch.

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