Der Verkauf des deutschen Ferienfliegers Condor, der 2021 auch in der Schweiz an den Start geht, wird so schnell nicht über die Bühne gehen – neue Verhandlungen beginnen voraussichtlich frühestens Mitte 2022.

Die letzten anderthalb Jahre waren für Condor in jeder Hinsicht ein absoluter Horror. Erst die Pleite der Konzernmutter Thomas Cook, dann Ängste um eine eigene Insolvenz, ehe es doch zur staatliche Rettung kam. Damit aber lange noch nicht genug, denn nach einem Bieterkampf, sollte Condor eigentlich von LOT übernehmen – bis die Polen in der Corona-Krise einen Rückzieher machten und Condor wieder am Rande der Insolvenz stand. Mit weiteren Staatshilfen hat die Airline die Krise überlebt, ein Verkauf der staatlich gestützten Fluggesellschaft soll aber dennoch folgen – allerdings deutlich später als bislang geplant, wie Reuters berichtet.

Verhandlungen um Condor-Verkauf frühesten 2022

Über Wasser konnte sich der vor der Coronakrise profitable Ferienflieger in den letzten Monaten nur dank staatlicher Unterstützung. Insgesamt hat die KfW der Fluggesellschaft im Rahmen des Restrukturierungsprozesses knapp 550 Millionen Euro Staatshilfe zur Verfügung gestellt. Eine Rückzahlung dieser Kredite wird für Condor aus eigener Kraft allerdings nahezu unmöglich sein, weswegen eine eigenständige Zukunft auch nach dem Ende des Schutzschirmverfahrens unrealistisch ist. Der Verkauf von Condor steht deshalb schon lange im Raum, wenngleich klar ist, dass die Konditionen dieses Mal deutlich schlechter sein werden. Die Mutter der polnischen LOT hatte beim Abschluss des Kaufvertrags Anfang des Jahres noch eine Summe von 300 Millionen Euro als Kaufpreis aufgerufen. Nach der Krise dürfte ein solcher Betrag wohl nicht mehr zu erzielen sein.

Condor Boeing 767-300
Bild: Condor

Vermeintlich auch deshalb wird die indirekte Staatsbeteiligung bei Condor wohl noch länger aufrechterhalten. Gegenüber Journalisten äußerte sich Ralf Teckentrup, CEO der Fluggesellschaft, dazu wie folgt:

Ich sehe nicht, dass wir in den kommenden zwölf Monaten einen Investorenprozess haben werden.

Condor CEO Ralf Teckentrup gegenüber Journalisten

Teckentrup erklärte im Rahmen des Gesprächs weiter, dass er einen Beginn von möglichen Verkaufsverhandlungen nicht vor Mitte 2022 sehe. Das würde bedeuten, dass die Airline wohl frühestens 2023 den Besitzer wechseln könnte – vorausgesetzt, dass sich überhaupt ein potenter Käufer für die Airline findet. Bis in zwei Jahren werden die Probleme von Condor durch wachsende Konkurrenz der Lufthansa-Ferienlangstrecken sowie die eigene veraltete Boeing 757- und Boeing 767-Flotte sicherlich nicht kleiner. Dass die hoch verschuldete Airline die gesamten staatlichen Kredite zurückzahlen wird, kann man mit Blick auf die Schuldenlast von 550 Millionen Euro entsprechend selbst bei einem erfolgreichen Verkaufsprozess als fraglich ansehen.

Condor will im Sommer 2021 auch in der Schweiz angreifen

Das schwierige Thema Verkauf soll Condor allerdings operativ nicht aufhalten. Das macht die Airline in vielerlei Hinsicht klar. Unter anderem plant Condor noch im Dezember die Wiederaufnahme von Langstrecken auf die Malediven und in die Dominikanische Republik sowie eine Aufstockung der Kapazitäten auf die Kanaren. Darüber hinaus hat Condor bereits einen überraschend weitreichenden Flugplan für den Sommer 2021 veröffentlicht. Bei der Zahl der Destinationen will die Airline gegenüber zwei Jahren zuvor kaum Kürzungen vornehmen. Zudem startet Condor im kommenden Jahr auch erstmals ab der Schweiz.

Condor 757-300 3

Gleichzeitig allerdings ist Condor operativ natürlich noch lange nicht über den Berg. Die Kapazität liegt aktuell laut Teckentrup nur bei etwa 10 bis 15 Prozent dessen, was im Vorjahr angeboten wurde. Für den Sommerflugplan plane man mit 60 bis 75 Prozent der Kapazität aus dem Jahr 2019. Das wäre sicherlich ein großer Schritt, um wieder auf die Beine zu kommen, doch selbst mit diesen Kapazitäten wird Condor wohl im Sommer noch nicht profitabel arbeiten können. Das gilt insbesondere insofern, als die Airline bis Ende 2021 keine Stellenkürzungen vornehmen möchte. Unter diesen Vorzeichen dürfte ein Verkauf zu einem schwierigen Unterfangen werden – auch dann, wenn der Verkaufsprozess erst im Jahr 2022 beginnen wird.

Fazit zum verzögerten Condor-Verkauf

Es wird wohl noch so einige Zeit dauern, bis Condor den Besitzer wechselt. Die Vorzeichen für einen Verkauf stehen derweil auch nicht unbedingt gut, sodass es spannend wird, wie Condor nach der Krise wieder auf die Beine kommt. Bei einer Schuldenlast von 550 Millionen Euro dürfte es auch im Jahr 2022 wohl nicht allzu viele Kaufinteressenten für die Airline geben.

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Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels in aller Welt. Auf der Suche nach neuen Erlebnissen hat Moritz schon dutzende Airlines getestet und mehr als 100 Städte erkundet. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen Erlebnissen & Tipps teilhaben!

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