Swiss steht unter Druck. Nicht nur aufgrund des wieder schwächer werdenden Fluggeschäftes, sondern auch, weil der durch den Bund gewährte Rettungskredit an schwer zu erreichende Gewinnvorgaben gebunden ist.

Die Meldungen über Swiss der letzten Tage und Wochen sind selten positiv. Gerade erst wurde bekannt, dass möglicherweise ein massiver Stellenabbau bevorsteht. Die vom Bund gewährten Staatshilfen an die Fluggesellschaft fliessen zwar, doch mit der Gewährung dieses notwendigen Hilfskredites eröffnet sich ein weiteres Problem. Wie durch einen Bericht des Tagesanzeigers bekannt wurde, fordert der Bund von Swiss im Jahr 2023 einen Gewinn von 500 Millionen Franken, ansonsten könne er alle Aktien der Airline übernehmen. Ob Swiss diese Gewinnvorhaben einhalten kann, wird von vielen Seiten als unrealistisch eingestuft.

Eine halbe Milliarde Franken Profit im Jahr 2023

Der Druck auf die Fluggesellschaften scheint nicht nachzulassen und auch bei Swiss sieht die Lage nicht besser aus. Zwar werden wieder vermehrt Langstreckenziele angeflogen und an allen möglichen Stellen Kosten eingespart, dennoch kommt die Airline aktuell noch nicht aus dem Krisenmodus raus. Das ist jedoch bei weitem nicht das einzige Problem. Denn für die Swiss reicht es nicht allein, aus den roten Zahlen herauszukommen – sie muss schnellstmöglich profitabel werden. Der Bund fordert nämlich im Gegenzug zur Gewährung der Staatshilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Franken, dass Swiss hochgesteckte finanzielle Ziele erreichen muss. Im Jahr 2023 bereits, soll das EBITDA, also die Erträge vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation bei 500 Millionen Franken liegen. Im Folgejahr dann sogar bei 600 Millionen.

Hongkong 2680872 1920

Anderenfalls könnte der Bund die Anteile der Swiss übernehmen und somit zum Eigentümer werden. Der Hintergrund ist, dass der Bund für 85 Prozent des Kredites garantiert und sichergehen möchte, dass keine Steuergelder eingesetzt werden müssen. Die finanziellen Ziele sollen als eine Art Sicherheit dienen, dass die Swiss in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen. Doch, ob Swiss diese erreichen kann, ist fraglich. In Vorkrisen-Zeiten waren solche Werte keine Probleme, doch durch das Krisenjahr 2020 rechnet kaum einer damit, die Vorjahreswerte in kürzester Zeit wieder zu erreichen.

Aktuelle Pandemie-Entwicklungen sind nicht förderlich für die Lage Swiss’

In den Sommermonaten nahmen die Flugbewegungen und Buchungszahlen wieder zu, was auf eine leichte Erholung der Lage hindeutete. Die Airline kam wieder an ein Drittel des Vorjahresniveaus heran. In den letzten Wochen verschärfte sich das Infektionsgeschehen jedoch wieder und die Prognosen zu den Flugverkehrszahlen mussten bereits nach unten korrigiert werden. Im September konnten verglichen mit dem Vorjahr dann nur noch ein Viertel der Flüge durchgeführt werden. Auch für den Folgemonat sieht es nicht besser aus. Die Lufthansa Gruppe rechnet für den weiteren Jahresverlauf nicht mehr mit einer Erholung der Lage.

Swiss Air Flugzeug 1

Die Buchungszahlen für Oktober liegen angesichts der Pandemie deutlich unter Vorjahr.

Marco Lipp, Swiss-Sprecher

Mit diesen Prognosen könnte es schwer für Swiss werden, die hochgesteckten finanziellen Ziele zu erreichen.

Ein Aspekt, der aktuell weiterhin viel gefordert wird, um die Lage doch noch in eine positivere Richtung lenken zu können, ist die Forderung nach einer Test- statt einer Quarantänepflicht. So würden im Idealfall wieder mehr Menschen fliegen, ohne Bedenken zu haben, dass sie nach ihren Ferien in Quarantäne müssen.

Fazit zu den hohen Gewinnvorgaben für Swiss

Der Bund fordert von Swiss, dass sie bereits im Jahr 2023 wieder ein EBITDA von einer halben Milliarde vorweisen können – ansonsten könnten die Swiss Anteile in den Besitz des Bundes übergehen. Es ist fraglich, inwiefern solche Gewinnvorgaben sinnvoll sind, wenn bereits zum jetzigen Zeitpunkt nicht damit gerechnet werden kann, dass sie realisierbar sind. Dennoch ist es wichtig, dass Zielwerte gesteckt werden, um die Rückzahlung des Kredites nicht zu gefährden. Wir werden die Situation auf jeden Fall weiterhin beobachten und berichten, sobald es Neuigkeiten gibt!

Autor

Wenn Anna unterwegs ist, ist sie in ihrem Element. Selten ist sie mehr als ein paar Tage am selben Ort. Der nächste Kurztrip oder eine Fernreise stehen immer schon in ihrem Kalender. Nach ihrem Tourismus-Studium konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und teilt auf reisetopia.ch ihre Erfahrungen, Tipps und News aus der Reisewelt mit euch.

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