Nicht alles, was die Krise verursacht hat, muss unbedingt schlecht sein – in der Retrospektive wird Covid-19 es zumindest ermöglicht haben, den nachhaltigen Tourismus weiter voranzubringen.

Der Tourismus ist seit mehr als einem Jahr zum Erliegen gekommen. Die Fluggesellschaften haben einen Grossteil ihrer Flotten gegroundet, viele Hotels auf der ganzen Welt sind noch geschlossen und alle warten sehnsüchtig auf eine Rückkehr des Reisens. Diese Zwangspause hat die Hauptakteure der Tourismusindustrie aber auch gezwungen, ihre Strategie zu überdenken. Einige von ihnen haben sogar angekündigt, dass sie neue Massnahmen entwickeln, um ihren ökologischen Fussabdruck zu verringern, da der Trend schon länger in diese Richtung geht. Aber sind diese Strategien ausreichend? Oder reden wir hier grösstenteils von Greenwashing? Wir sind der Sache in diesem Artikel ein wenig auf den Grund gegangen.

Handelt es sich lediglich um Greenwashing-Strategien?

In den letzten Wochen, ja sogar Monaten, haben wir in den Pressemitteilungen der Tourismus- und Luftfahrtindustrie laufend neue Meldungen gesehen. Abgesehen von Nachrichten mit Corona-Bezug gibt es hier nur ein Thema: nachhaltiger Tourismus. Mal investieren Airlines in neue nachhaltige Flugtreibstoffe, mal planen Hotels die Eröffnung emissionsfreier Häuser. Das sind sicherlich durchaus gute Initiativen, aber wie viel ist hier von wirklicher Relevanz und was sind nur Greenwashing-Strategien?

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In der Mehrzahl der veröffentlichten Pressemitteilungen scheint ein Aspekt besonders beliebt zu sein: Das Pariser Abkommen und die Klimaziele für das Jahr 2050. Doch wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, scheint es für die Unterzeichnerstaaten ziemlich schwierig zu sein, die vereinbarten Ziele zu erreichen. Können die grossen Akteure der Tourismusbranche, die behaupten, sich für die Klimaziele einzusetzen, wirklich ernst genommen werden? Vielleicht nicht – wahrscheinlich nicht.

Tatsächlich veröffentlichte die Internationale Energieagentur (IEA) Anfang dieser Woche einen Report, aus dem hervorgeht, dass die globalen CO₂-Emissionen bereits wieder über dem Vorkrisenniveau liegen.

Der Wiederanstieg der CO₂-Emissionen auf der ganzen Welt … ist eine ernstzunehmende Warnung. Nachdem die globalen Emissionen im April 2020 einen Tiefpunkt erreicht hatten, stiegen sie im Dezember wieder stark an und lagen über dem Niveau von 2019.

IEA

Die globalen, Energie-bezogenen CO₂-Emissionen lagen im vergangenen Dezember um 2 Prozent über dem Niveau vom Dezember 2019. Und die IEA macht aus ihren Befürchtungen keinen Hehl: “Wenn sich der für dieses Jahr erwartete wirtschaftliche Aufschwung bestätigt – in Ermangelung grösserer politischer Veränderungen unter den grössten Volkswirtschaften der Welt – dann werden die globalen Emissionen im Jahr 2021 wahrscheinlich steigen.”

Ein Kampf für mehr nachhaltigen Tourismus

Aber es ist nicht alles schlecht. Trotz der eher deprimierenden Aussagen der IEA kann man positiv bleiben. Warum ist das so? Es bleibt die Hoffnung, dass die Reisenden von morgen für einen nachhaltigeren Tourismus kämpfen werden.

Viele Umfragen haben in letzter Zeit ergeben, dass nachhaltiger Tourismus für Reisende immer wichtiger wird. Laut einer Studie von Booking.com, an der 20’000 Reisende teilgenommen haben, ist nachhaltiger Tourismus einer der wichtigsten Trends in der Reisewelt. Tatsächlich gaben 53 Prozent der Befragten an, dass sie “in den kommenden Jahren nachhaltiger reisen werden” und dass sie sich mehr an Unternehmen wenden werden, die Strategien zur nachhaltigen Entwicklung entwickelt haben.

Hier wird es also interessant. Heute diktiert nicht mehr der Markt die Nachfrage, sondern die Nachfrage diktiert den Markt. Wenn immer mehr Reisende Zugang zu nachhaltigen Dienstleistungen verlangen, werden die Unternehmen keine andere Wahl haben, als solche Dienstleistungen anzubieten.

Da Covid-19 alle Akteure der Tourismusbranche hart getroffen hat, sind die meisten gezwungen, ihre eigene Strategie zu überdenken. Und da die meisten Trends zeigen, dass sich Reisende an Unternehmen wenden werden, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren, müssen Hotels, Reisebüros, Restaurants und Fluggesellschaften solide Massnahmen zur nachhaltigen Entwicklung umsetzen – auch auf die Gefahr hin, dass ihre Kunden ihnen den Rücken kehren.

Die Corona-Krise mag die verschiedenen Akteure der Tourismusbranche gezwungen haben, ihren Betrieb für ein paar Monate zu verlangsamen, aber diese Pause wird es einigen von ihnen ermöglicht haben, neue Möglichkeiten zu entwickeln, ihren ökologischen Fussabdruck zu verringern.

Six Senses zum Beispiel, eine Luxushotelkette mit einem hohen Nachhaltigkeitsanspruch, hat ein Hotel in der israelischen Negev-Wüste eröffnet, in dem die Gäste etwas über die Bemühungen der Marke in den Bereichen Meeresschutz, Forst- und Landwirtschaft erfahren können. Die französische Hotelkette Accor hat ebenfalls kürzlich bekannt gegeben, dass sie dem UNESCO-Programm für Welterbe und nachhaltigen Tourismus beitritt. 3’358 Accor-Hotels werden daher in Zukunft verantwortungsvolle Geschäftspraktiken, das Wohlergehen der Gastgebergemeinden und die Erhaltung des kulturellen Erbes fördern – alles mit dem grundlegenden Ziel, die Art und die Auswirkungen des globalen Tourismus zu verändern.

Fazit zu den Auswirkungen von Covid auf den nachhaltigen Tourismus

Natürlich bleibt abzuwarten, ob die nachhaltigen Tourismusstrategien, die während der Corona-Krise entwickelt wurden, ausreichen werden, aber der Trend geht in die richtige Richtung. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es im Endeffekt vor allem am Kunden liegt, von Unternehmen Massnahmen zur Reduzierung ihres ökologischen Fussabdrucks zu fordern. Denn der ökologische Fussabdruck der Unternehmen, von denen wir Produkte oder Dienstleistungen beziehen, ist auch unser eigener Fussabdruck.

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