Um mehr Transparenz über die Umweltbilanz von Flügen zu schaffen, möchte die EU Eco-Label für alle Maschinen und Flüge einführen – ähnlich dem System, das es aktuell für Elektrogeräte gibt.

Es steht ein grosses Ziel im Raum: Klimaneutralität bis 2050. Was noch weit weg klingt, wird aber schwer zu erreichen sein, wenn heute nicht die benötigten Massnahmen dazu ergriffen werden. Mit einer neuen Umwelt-Kennzeichnung möchte die EU nun für mehr Transparenz sorgen und gleichzeitig „das Risiko des Greenwashings” reduzieren, da immer häufiger in Werbekampagnen vom umweltfreundlichen Fliegen gesprochen wird. Bis die neuen Label aber tatsächlich eingeführt werden könnten, wird es wohl noch eine Weile dauern, wie die Welt berichtet.

Öko-Klassifizierung für die Luftfahrt

Einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt zufolge trägt der globale Flugverkehr zu etwa 3,5 Prozent zur Klimaerwärmung bei. Seit Jahren wird daher schon nach Alternativen geforscht, wie man die Branche umweltfreundlicher gestalten kann. Auch wenn es erste Pläne für vollständig emissionsfreie Flugzeuge gibt, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis diese in grossem Stil eingesetzt werden können – und vor allem auch die Langstrecke bedienen könnten, da heutige Lösungen nur geringe Reichweiten aufweisen.

Die EU möchte jetzt eine Initiative starten, die das Bewusstsein der Verbraucher über die Ökobilanz von Flügen stärkt, damit sie sich nicht von zu positiven Werbemassnahmen einiger Airlines oder Herstellern verwirren lassen. Hierfür ist ein Label-Konzept geplant, ähnlich dem, das es bereits für Elektrogeräte wie Kühlschränke gibt. Damit soll gleichzeitig aber auch der Druck auf die Branche erhöht werden, die Maschinen und auch einzelne Flüge bereits jetzt klimafreundlicher zu machen beziehungsweise die Forschung in Richtung neuer Technologien zu forcieren.

EU Label
Energieeffizienzlabels der EU für Elektrogeräte

Bei einer Beibehaltung der gegenwärtigen Innovationszyklen würde sich eine Reduktion der Treibhausgasemissionen des Flugverkehrs gegen null bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts erstrecken.

Auszug aus den Planungspapieren zum Öko-Siegel

Es steht noch kein Datum fest

Wann ein solches Öko-Kennzeichen dem Endverbraucher tatsächlich zur Verfügung steht, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Bisher wurde lediglich festgelegt, dass bis Ende des Jahres 2022 die technischen Details für das Label feststehen sollen. Ausserdem wurde vereinbart, dass nicht nur der CO2-Ausstoss in die Bewertungskriterien einfliessen soll, sondern auch weitere Faktoren wie der Lebenszyklus des Flugzeugs, die Recyclingquote, der verursachte Lärm und der Stickoxid-Ausstoss. Das ist wichtig, denn wenn man sich zum Beispiel die Wasserstoffflugzeuge oder aber auch Elektroflugzeuge anschaut, dann stossen diese zwar während des Fluges kein CO2 aus, so würden aber der Herstellungs- oder Recyclingprozess durchaus weitere klimaschädliche Einflüsse mit sich bringen können. Durch das Label soll so das Gesamtbild der Klimafreundlichkeit über den gesamten Lebens- und Einsatzzyklus hinweg bewertet werden.

Es soll demnach auch zwischen verschiedenen Flugzeugtypen unterschieden werden. So ist geplant, Regionalflieger, grössere Flugzeuge mit Mittelgang, Grossraumflieger und sogar in Zukunft Elektro-Flugtaxis zu bewerten.

Auf einzelne Flüge bezogen, könnte die Bewertung des Labels deutlich aufgewertet werden, wenn nachhaltige Flugkraftstoffe eingesetzt werden. Ihnen wird eine Schlüsselrolle im Prozess in Richtung einer nachhaltigeren Luftfahrt zugeschrieben, da sie bereits jetzt dem Kerosin beigemischt werden können und somit massgeblich die Klimabilanz eines Fluges verbessern könnten.

Fazit zum geplanten Öko-Label für Flüge

Die EU möchte mit einer neuen Öko-Kennzeichnung die Umweltbilanz von Flugzeugen und Flügen für den Endverbraucher ersichtlich machen und Druck auf die Hersteller und Fluggesellschaften aufbauen. Die Planung befindet sich aktuell noch in der Anfangsphase, in fast zwei Jahren sollen zunächst einmal die genauen Bewertungskriterien festgelegt werden. Je nachdem wie diese festgelegt werden, wird sich sicherlich auch entscheiden, wie sinnvoll die Klassifizierung am Ende wirklich ist und ob sie Veränderungen am Markt bewirken können.

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Autor

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