Seit kurzem Tagen wissen wir, dass es ab 2021 gravierende Änderungen bei der Erreichung eines Status bei Miles & More geben wird. Mittlerweile ist bekannt, wie das System aussehen wird. Wir zeigen Euch, wie Ihr zukünftig zum Frequent Traveller, Senator und HON Circle Status kommt!

Im Jahr 2021 werden die Statusmeilen abgeschafft, darüber hinaus soll es einen Lifetime-Status sowie eine ansonsten kürzere Laufzeit des Status geben. Seit Montag-Morgen gibt es erste Details zum neuen Statusprogramm, über die das Handelsblatt exklusiv berichtet hat (nur mit bezahltem Abo lesbar).  Wir haben seitdem mit den Vertreten der Lufthansa gesprochen und weitere Detail-Informationen für Euch ergänzt. Dabei stellt sich primär die Frage: Wird das Statusprogramm von Miles & More wirklich einfacher?

Statuspunkte ersetzen Statusmeilen bei Miles & More

Die gravierendste Änderung am Programm von Miles & More ist sicherlich, dass die bisherigen Statusmeilen abgeschafft werden. Hier gab es ein mehrstufiges System, denn auf der einen Seite gab es für jede Fluggesellschaft der Star Alliance sowie weitere Partner einen eigenen Award Chart. Auf der anderen Seite gab es je nach Reise- und Buchungsklasse noch einmal unterschiedlich viele Meilen. So gab es auf einem Flug teilweise keine, teilweise zwischen 25 und 300 Prozent Statusmeilen. Dieses komplexe System wird komplett abgeschafft. Stattdessen gibt es in Zukunft nur noch Statuspunkte, die zudem komplett unabhängig von der Buchungsklasse gelten. Relevant ist bei der Swiss in Zukunft ausschliesslich die Reiseklasse – eine überraschende Neuigkeit.

Konkret wird es bei der Swiss die folgenden Statuspunkte für Flüge auf der Kurzstrecke geben:

  • Economy Class: 5 Punkte
  • Business Class: 10 Punkte

Auf der Langstrecke gibt es dagegen die folgende Gutschrift unabhängig von der Fluglänge:

  • Economy Class: 15 Punkte
  • Premium Economy Class: 20 Punkte
  • Business Class: 50 Punkte
  • First Class: 70 Punkte

Sogenannte Zubringer, also etwa ein Business Class Ticket von Frankfurt und München in Verbindung mit einem First Class Ticket von München nach San Francisco bringen dabei dieselbe Gutschrift wie ein reguläres Business Class Ticket. Komplett abgeschafft werden neben den Statusmeilen im Rahmen des neuen Systems auch die sogenannten Segmente. Das heisst konkret: Es gibt nicht mehr die Möglichkeit den Frequent Traveller Status mit 30 Segmenten zu erreichen. Die Statuspunkte sind das einzige vorhandene Kriterium, das über einen Status bei Miles & More entscheidet.

Die Einteilung in die beiden Kategorien erfolgt dabei nach der IATA-Logik. Das heisst konkret: Flüge nach Kairo, Tel Aviv oder auch Tunis gelten als Langstrecke und bringen damit signifikant mehr Punkte als beispielsweise längere Flüge von Europa auf die Kanaren. Dadurch könnten sich auch interessante Optionen für das Absolvieren von einem Status Run geben.

Mindestens 160 Punkte zum Erreichen eines Status

Um einen Status bei Miles & More zu erreichen, bedarf es in Zukunft immer einer bestimmten Anzahl in einem Kalenderjahr gesammelter Statuspunkte. Hierbei wird es weiterhin das dreistufige Statussystem aus Frequent Traveller, Senator und HON Circle geben. Für die drei Statusstufen sind die folgenden Punktewerte erforderlich:

  • 160 Statuspunkte für den Frequent Traveller Status
  • 480 Statuspunkte für den Senator Status
  • 1’500 Statuspunkte für den HON Circle Status

Neben dem allgemeinen Erreichen der Statuspunkte gibt es allerdings noch einen weiteren wichtigen Aspekt. In Zukunft gibt es neben den regulären Statuspunkten nämlich noch einen an die Lufthansa  Gruppe und die Miles & More Airlines gebundene weitere Komponente. Die sogenannten qualifizierenden Punkte sind ein weiterer erforderlicher Bestandteil eines Status. Um zukünftig einen Miles & More Status zu erreichen sind die folgenden qualifizierenden Punktewerte notwendig:

  • 80 qualifizierende Punkte für den Frequent Traveller Status
  • 240 qualifizierende Punkte für den Senator Status
  • 1’500 qualifizierende Punkte für den HON Cirlce Status

Vom HON Circle Status kennt man diese Regelung schon heute, hier gelten nur Flüge mit der Lufthansa Gruppe sowie präferierten Partnern für das Erreichen des Status. Eine identische Komponente gibt es für den Miles & More Status ab 2021 nun auch beim Frequent Traveller und dem Senator. Dabei muss immer die Hälfte der erforderlichen Statuspunkte bei den Lufthansa Gruppe und den Miles & More Airlines erflogen werden.

HON Circle zukünftig auch mit Flügen in der Economy Class

Nach anfänglicher Verwirrung ist uns von der Lufthansa offiziell bestätigt wurden, dass die Statuspunkte bei allen Fluggesellschaften der Lufthansa Gruppe als qualifizierende Punkte vergeben werden. Das heisst konkret: Auch bei Flügen mit Brussels Airlines und Eurowings gibt es die entsprechenden Punkte, die bei der Qualifikation eine entscheidende Rolle spielen können. Einzige Ausnahme ist hier Edelweiss, nach aktuellen Informationen soll es bei der Swiss-Tochter keine Statuspunkte geben, weder qualifizierende noch generelle. Qualifizierende Punkte soll es dagegen auch bei den Airlines geben, die zum Miles & More Verbund gehören, das heisst LOT Polish Airlines genauso wie etwa auch Luxair und Crotia Airlines. Ob auch Condor dazu zählt, ist offen, allerdings unwahrscheinlich.

In Zukunft zählen auch Economy Class Flüge für den HON Circle Status

Interessant ist zudem, dass der HON Circle Status in Zukunft auch in der Economy Class erflogen werden kann. Bislang gibt es die sogenannten HON Circle Meilen nur ab der Premium Economy Class. Zukünftig ist es theoretisch auch möglich rein in der Economy Class oder eben mit einem Mix der verschiedenen Klassen zum höchsten Status zu kommen. Sogar ein Kurzstrecken HON mit nur Flügen in der Economy Class ist möglich: Notwendig sind dafür insgesamt 300 Flüge mit der Lufthansa Gruppe und den Miles & More Partner-Airlines. Tatsächlich könnte es dabei zu einer interessanten Verschiebung kommen, denn bislang sind fast alle HON Circle Mitglieder viel in der Business und First Class auf der Langstrecke unterwegs.

Versteckte Entwertung durch Verkürzung der Statusdauer

Auf den ersten Blick erscheinen die Veränderungen von Miles & More für Vielflieger überraschend positiv. Bei bestimmten Flugverhalten ist das Erreichen eines Status zukünftig sogar einfacher als zuvor. Dabei sollte man allerdings nicht übersehen, dass die Swiss und Lufthansa bei ihrem Vielfliegerprogramm eine weitere gravierende Änderung vornimmt: Der Status gilt zukünftig bei allen drei Statusstufen nur noch für ein Jahr. Das heisst konkret, dass es in Zukunft notwendig ist, sich deutlich häufiger für den Status zu qualifizieren als bislang. Bislang konnte man beispielsweise im Jahr 2018 einen Status erreichen und hatte diesen danach bis Februar 2021 sicher – im Idealfall also mehr als drei Jahre, mindestens aber zwei Jahre und zwei Monate.

Beim zukünftigen Programm von Miles & More hat der Status voraussichtlich nur noch eine Gültigkeit für das Jahr des Erreichens des Status sowie das Folgejahr, also etwa bei einem Erreichen im Oktober 2021 für das Restjahr 2021 sowie das Jahr 2022 und möglicherweise noch bis Februar 2023. Nach dem alten System wäre ein Status bis Februar 2024 gültig gewesen. Bei der Statusverlängerung gilt der Status bislang ebenfalls immer für zwei Jahre, also bei einer Re-Qualifizierung im Jahr 2021 beispielsweise bis einschliesslich 2023, zukünftig dagegen nur noch für ein Jahr. Beim selben Beispiel würde der Status bei einer Re-Qualifizierung im Jahr 2021 also nur noch für das Jahr 2022 gelten.

Konkret bedeutet das: Die Anzahl der notwendigen Statuspunkte pro Jahr verdoppelt sich gewissermassen. Ein direkter Vergleich ist zwar nicht komplett fair, da die Schwelle für das Erreichen eines Status auch bislang bereits bei 12 Monaten lag – man also in diesen etwa 100’000 Statusmeilen für den Senator Status erreichen muss. Bislang allerdings war es so, dass man im Folgejahr den Status auch behalten hat, ohne auch nur einen Flug zu buchen. In Zukunft gilt dies nicht mehr, die Re-Qualifizierung ist Jahr für Jahr notwendig, was einer versteckten Entwertung gleichkommt. Insgesamt muss man deutlich mehr Flüge absolvieren, um an einen Status zu kommen.

In der Praxis wird diese neue Regelung für Kunden von Miles & More vermutlich nur teilweise eine Rolle spielen, denn im sogenannten “toten Jahr” ist man vermutlich auch weiterhin mit Lufthansa & Co. geflogen und hat sozusagen sinnlos Statusmeilen gesammelt. Doch gerade für diejenigen, die ihren Status gerne optimieren und dieses Jahr bislang genutzt haben, um den Status bei einer anderen Allianz zu erreichen, ist die neue Regelung definitiv weniger vorteilhaft. Profitieren wird am Ende Miles & More, weil nicht nur insgesamt mehr Flüge notwendig sind, sondern auch weil Kunden das “tote Jahr” nicht mehr nutzen, um auch bei einer anderen Allianz einen Status zu erreichen.

Für den Übergang gibt es hier eine Sonderregelung. Wer den Senator oder Frequent Traveller Status im Jahr 2020 requalifiziert, verlängert diesen noch um zwei Jahre, also im Idealfall bis einschliesslich 2024. Beim HON Circle Status gibt es noch einmal eine differente Logik. Hier ist theoretisch sogar eine Qualifikation zu alten Regeln möglich, wenn Statuspunkte teilweise im Jahr 2021 gesammelt wurden. Hier findet dann eine Umrechnung der geflogenen Statusmeilen im Jahr 2020 statt, die dann mit den Statuspunkten aus 2021 addiert werden. Erhalten bleibt das Soft Landing, allerdings gilt auch dieses nur noch für ein statt wie bislang für zwei Jahre.

Status auf Lebenszeit mit 7’500 oder 10’000 Punkten

Ab 2021 wird es bei Miles & More auch erstmals einen Status auf Lebenszeit geben. Die Kriterien dafür sind ebenfalls bereits bekannt. So wird es zwei Schwellen geben:

  • 7’500 qualifizierende Statuspunkte für den Frequent Traveller Status
  • 10’000 qualifizierende Statuspunkte für den Senator Status

Einen HON Circle Status auf Lebenszeit wird es auch weiterhin nicht geben. Relevant ist auch die Einschränkung auf qualifizierende Statuspunkte. Das heisst konkret: Für den Lifetime Status sind ausschliesslich Flüge mit den Lufthansa Group Airlines sowie sowie Miles & More Fluggesellschaften relevant. Wer viel mit Star Alliance Fluggesellschaften fliegt, hat dagegen keine Chance auf einen Lifetime Status. Beim Frequent Traveller Status auf Lebenszeit gibt es ansonsten keine weitere Einschränkung, beim Senator auf Lebenszeit ist es zudem notwendig, dass der Kunde seit mindestens zehn Jahren Senator ist. Diesen Status auf Lebenszeit gibt es also nicht im Schnelldurchgang.

Frequent Traveller & Senator Status gibt es zukünftig auf Lebenszeit

Vergangene Flüge sollen dabei auch eine Rolle spielen und in das System für einen Status auf Lebenszeit eingerechnet werden. Interessant ist beim Lifetime Status, dass der Status auf Lebenszeit theoretisch auch nur mit Flügen in der Economy Class erreicht werden kann. Wer 1’500 Flüge in der Economy Class auf der Kurzstrecke absolviert wird beispielsweise zum Frequent Traveller auf Lebenszeit, wer sogar 2’000 Flüge in der Kurzstrecken Economy absolviert, wird zukünftig zum Senator auf Lebenszeit – zumindest wenn es auch zehn Jahre zum Senator Status gereicht hat.

Beim Lifetime Status gibt es teilweise eine retrospektive Komponente, wobei die Swiss sich hier gegen einen Rückblick auf die gesammelten Statusmeilen entschieden hat. Stattdessen blickt die Swiss auf die sogenannten Status Stars beziehungsweise die im Rahmen des Programms gesammelten Punkte. Zur Erinnerung: Frequent Traveller bekommen für jeden Tag mit Status einen Punkte, Senatoren zwei Punkte und HON Circle Mitglieder drei Punkte. Ab 5’000 Punkten gibt es bislang einen Status Star, für weitere 5’000 Punkte je einen weiteren. Hierbei wird die Swiss die Zahl der Punkte durch zwei teilen und davon ausgehend Punkte für das neue System berechnen.

Das heisst konkret, dass schon zur Umstellung des Programms einige Kunden den Lifetime Status bekommen. Die relevanten Lifetime Status gibt es mit den folgenden Schwellen auch rückwirkend:

  • 3 Status Stars = Lifetime Frequent Traveller Status
  • 4 Status Stars = Lifetime Senator Status
  • 5 Status Stars = Lifetime Senator Status

Doch die Stars sind nur für die Plastizität relevant, abgestellt wird ausschliesslich auf die Punkte. Das heisst konkret: Wer beispielsweise 8’000 Punkte gesammelt hat, der erhält im neuen System 4’000 Punkte gutgeschrieben und ist damit schon auf einem guten Weg zum Lifetime Status. Wer dagegen nie einen Status bei der Swiss hatte, startet mit null Punkten.

JetFriends, Status Stars und Executive Bonus werden abgeschafft

Im Zuge der Änderungen werden auch andere Bestandteile des bisherigen Status-Systems der Swiss komplett abgeschafft. Das Kinderprogramm JetFriends soll dabei genauso wegfallen wie auch die komplexen Status Stars. Auch der eine oder andere bekannte Vorteil, etwa der Senator Premium Award wird in Zukunft nicht mehr angeboten. Tatsächlich kommt Miles & More damit dem Versprechen nach das Statusprogramm für Kunden einfacher und verständlicher zu machen. Ganz einfach wird Miles & More zwar auch zukünftig nicht, doch die Änderungen verschlanken das bislang doch sehr komplexe Programm um ein relevantes Stück.

An den Prämienmeilen wird es dagegen für den Moment keinerlei Veränderungen geben, sowohl was das Sammeln als auch das Einlösen von Meilen angeht. Die Statusstufen werden mit Ausnahme des wegfallenden Senator Premium Award nicht berührt und bleiben auch in Zukunft erhalten. Zwar wurde in den letzten Jahren beispielsweise darüber debattiert, ob es beim Lounge-Zugang Veränderungen geben könnte, doch hier soll es erst einmal keine Änderungen geben. Bis in das Jahr 2021 ist allerdings auch noch einige Zeit hin – in der Welt der Viefliegerprogramme erscheint eine Veränderung bis dahin nicht unwahrscheinlich.

Gravierend ist sicherlich, dass auch der Executive Bonus für den Status komplett abgeschafft wird. Bislang erhalten Statusinhaber einen Bonus von 25 Prozent auf Flüge mit der Lufthansa Gruppe und ausgewählte weitere Airlines, die bei der Re-Qualifizierung helfen. In Zukunft gibt es diesen Bonus nur noch bei Prämienmeilen, sodass die Re-Qualifizierung genauso schwer ist wie die ursprüngliche Qualifizierung zum Status.

Fazit zum neuen Miles & More Statusprogramm

Vermutlich hatten die meisten hinsichtlich des Statusprogramm von Miles & More ziemlich negative Veränderungen erwartet. Insgesamt lesen sich die neuen Details dagegen gar nicht so übel – umsatzbasiert wird das Programm nämlich nicht. Vielmehr orientiert sich Miles & More an Flying Blue und auch dem Executive Club von British Airways. Bedenken sollte man allerdings die verkürzte Statusdauer, die insgesamt doch eine Entwertung des Programms bedeutet. Ansonsten erscheinen viele Änderungen sinnvoll, wenngleich es sicherlich wie üblich Profiteure wie Verlierer gleichermassen geben wird. Auch der Wegfall einer Bestandteile wird sicherlich nicht jedem gefallen.

Autor

Nachdem Alex in den ersten 5 Jahren seines Lebens mehr Zeit in Airbussen als in normalen Bussen verbracht hat, war das Hobby schon früh festgelegt: Fliegen. Egal ob in einer Turboprop oder einem A380, egal ob Holzklasse oder Premium: Der Weg ist das Ziel. Und wer kann schon behaupten in 12 Tagen New York, Singapur, Tokyo, Lissabon und Oslo mit Flügen in der Business Class verbunden zu haben?

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