Erneut musste Boeing Verzögerungen bei der Auslieferungen der neuen 777X mitteilen – nun könnte der Flugzeugbauer ein Drittel der bisherigen Bestellungen verlieren.

Neben der Pandemie hat Boeing vor allem mit vielen internen Problemen zu kämpfen. Immer wieder sorgt man für Negativschlagzeilen – so auch bei der neuen Boeing 777X. Die Auslieferung wurde erneut verschoben und ist nun für 2023 geplant. Aufgrund dieser Entwicklungen könnte der Flugzeugbauer nun aber etwa ein Drittel aller Bestellungen verlieren, wie executivetraveller.com berichtet.

Klauseln für Fluggesellschaften bei Verzögerungen

Boeing gab 2013 die Weiterentwicklung der Boeing 777 mit dem Projektnamen 777X bekannt. Demnach sollten die alternden Modelle der ursprünglichen Variante mit den neuen Boeing 777-8 und 777-9 ersetzt werden. Signifikanter Unterschied zum älteren Modell sollten die einklappbaren Flügelspitzen bzw. Winglets sein, was wohl jetzt schon das Markenzeichen des neuen Flugzeugtyps ist. Das Interesse war damit gross und neben 34 Bestellungen der Lufthansa konnte man zum Programmstart schon über 250 Bestellungen verzeichnen. In der Folge dessen musste das Programm aber pausiert werden, da Entwickler zum Projekt der Boeing 737 MAX hinzugezogen werden mussten. Mit den beiden Abstürzen damals bewegte sich der US-amerikanische Flugzeugbauer in eine tiefe, bis heute andauernde Krise. Dementsprechend mussten mehrmalige Verzögerungen bei den Auslieferungen der Boeing 777X bekannt gegeben werden – so auch erst kürzlich von Boeing bestätigt. Das könnte aber nun dazu führen, dass Boeing etwa ein Drittel der bisherigen Bestellungen wieder verliert.

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Das hat Boeing kürzlich mitgeteilt und auf Klauseln in Verträgen mit Fluggesellschaften verwiesen, die es ihnen erlaubt aufgrund dieser Verzögerung von den Verträgen zurückzutreten. Dementsprechend senkt der Flugzeugbauer den Auftragsbestand auf nur noch 191 Jets. Das sind 38 Prozent weniger als die tatsächliche Auftragsmenge, entspricht aber einer üblichen Vorgehensweise bei solchen Konstellationen. Aus unternehmerischer Sicht ist diese Vorgehensweise sogar Pflicht, um solche Vertragsdetails frühzeitig zu berücksichtigen und in den Bilanzen zu beachten. Auf dieser Grundlage kann Boeing nämlich nur planen und muss eventuelle Stornierungen bereits im Vorfeld berücksichtigen.

Geringe Nachfrage für Langstreckenjets

Eigentlich galt den neuen Langstreckenjets von Boeing mit der 777X und dem Dreamliner 787 die Zukunft, genauso wie beim Pendant auf der anderen Seite des Atlantiks mit dem Airbus A330neo und dem Airbus A350 die Zukunft. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die generelle Nachfrage stark eingebrochen. Nur noch wenige Bestellungen werden getätigt und bereits fertige Flugzeuge werden nicht mehr übernommen. Das trifft vor allem die Langstreckenjets, welche nach Prognosen erst als Letztes wieder an Bedeutung gewinnen dürften. So hat Emirates erst kürzlich nach Zweifeln an der Auslieferung der Boeing 777X mitgeteilt, dass man einen Teil der 115 bestellten Boeing 777X auf den Dreamliner verschieben wird.

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Emirates hat eine solche Klausel im Kaufvertrag für die Boeing 777X vereinbart und darf bei einer verspäteten Auslieferung von über einem Jahr die Bestellung stornieren bzw. ändern. Gleiches Recht hatten viele Fluggesellschaften bei den Bestellungen der Boeing 737 MAX. Hier verzögerten sich die Auslieferung um etwa zwei Jahre. Auch wenn diese mittlerweile wieder in den USA, Brasilien und Europa zugelassen ist, wurden deshalb über 1’000 Bestellungen im Auftragsbestand gelöscht. Für die Boeing 777X vermeldete man mit den Ergebnissen des vierten Quartals und des Geschäftsjahres eine Belastung von 6,5 Milliarden US-Dollar.

Fazit zum aktuellen Auftragsbestand der Boeing 777X

Auch in 2021 möchten die Negativschlagzeilen bei Boeing nicht abreissen. Dabei scheint die Corona-Pandemie auch weiterhin nicht das grösste Problem des Flugzeugbauers zu sein. Neben einer geringen Nachfrage muss Boeing nun auch damit rechnen bereits getätigte Bestellungen wieder zu verlieren. Immerhin bereitet sich das Unternehmen auf diesen Umstand vor. Inwiefern die Fluggesellschaften die Bestellungen tatsächlich gänzlich stornieren, bleibt offen. Das Emirates-Modell scheint da eher realistisch zu sein, in dem man Bestellungen auf andere Flugzeugtypen verteilt und so flexibler auf die aktuelle Nachfrage reagieren kann.

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