Die Swiss First Class in der Boeing 777 ist nicht nur das modernste Bordprodukt der Airline aus der Schweiz, sondern zweifelsfrei auch die beste First Class der ganzen Lufthansa Group. Was das Produkt so gut macht, lest Ihr später in diesem ausführlichen Review!

Ich bin bereits mit der Lufthansa First Class geflogen und habe deshalb den direkten Vergleich mit dem Prestige-Produkten der deutschen Airline. Soviel sei gesagt: im direkten Vergleich kann das sehr gute Produkt von Lufthansa nicht mithalten, und mit dem neuen Sitz wurde der Abstand noch grösser. Das heisst gleichzeitig allerdings nicht, dass alles an meinem Erlebnis wirklich perfekt war. Dennoch würde ich sofort wieder in der Swiss First Class fliegen, nicht zuletzt weil es keine echte Schwachstelle gibt.

Swiss First Class Boeing 777 – die Buchung

Gebucht habe ich meine Flüge mit Swiss im Rahmen eines Brasilien-Angebots. Dabei waren ab diversen europäischen Städte günstige Business Class Tarife buchbar. Zu meinem Erstaunen war auch Lugano mit seinem winzigen Flugplatz mit dabei. Für einen Hin- und Rückflug vom Tessin nach Sao Paulo via Zürich in der Business Class fielen dabei etwa 1’900 Franken pro Person an – ein sehr guter Preis, wenn man bedenkt, dass diese Route zu den längsten Verbindungen der Swiss gehört und normalerweise gut und gerne das Doppelte kostet. Mit dem gebuchten Flug in der ebenfalls sehr guten Swiss Business Class wollte ich mich aber nicht zufrieden geben und informierte mich über ein Upgrade in die First Class. Auf dem Hinweg löste ich für 2 eVoucher ein Ticket in der First Class. Auf dem Rückweg kostete mich das Upgrade 70’000 Meilen (50’000 regulärer Upgradepreis laut Meilentabelle + 20’000 Strafmeilen, da Tarif in der niedrigsten Buchungsklasse P gebucht). Ein sehr guter Deal, wenn man bedenkt, dass man die Swiss First Class nur als Senator und Hon Circle Member direkt mit Meilen buchen kann.

Swiss First Class Boeing 777 – der Sitz

Die Swiss First Class Kabine ist relativ intim und kommt mit insgesamt nur acht Sitzen daher. Diese sind in zwei Reihen angeordnet.

Anders als im Airbus A330 und dem Airbus A340 handelt es sich bei den Sitzen in der Boeing 777 um echte Suiten.Das heisst konkret, dass Ihr eine Tür verschliessen könnt und somit vollständige Privatsphäre geniesst. Zwar bleibt immer ein kleiner Spalt offen, man fühlt sich aber wirklich wie in einer echten Suite.Etwas kurios ist auch, dass man zum Verschliessen der Tür die Garderobe herauszieht, was zumindest auf den ersten Blick etwas seltsam wirkt.Auch von diesem Aspekt abgesehen wissen die Suiten vollends zu überzeugen. Die Sitze sind äusserst breit, mit einer sehr guten Polsterung versehen und in wirklich jeder Position äusserst bequem. Das Kopfteil besteht aus Leder und sorgt auch in diesem Bereich für hohen Komfort. Der Sitzabstand ist natürlich beeindruckend. Egal wie gross Ihr seid, werdet Ihr Euch hier in der aufrechten oder angewinkelten Sitzposition zweifelsfrei ausstrecken könnt. Erwähnenswert ist zweifelsfrei auch das äusserst stilvolle und hochwertige Design der Kabine, das viele andere First Class Produkte in den Schatten stellt. Hierbei ist besonders auch auf die hochwertige Holzverkleidung einzugehen. Sehr gut gefällt mir hierbei das grosse Sideboard, auf dem man im Prinzip alles ablegen kann. Auch die stilvolle Lampe, die für indirektes Licht sorgt, gefällt mir sehr gut.Wirklich genial ist natürlich auch der riesiege Bildschirm, der einem eher das Gefühl gibt in einem Kino zu sein als in einem Flugzeug. Das einzige mir bekannte Airline-Produkt, das in dieser Hinsicht ähnliches bietet, ist die Japan Airlines Business Class.

Swiss First Class Boeing 777 – der Schlafkomfort

Während beim Boarding “nur” ein kleines Kissen auf dem Sitz liegt, erwartet Euch natürlich zum Schlafengehen ein deutlich höher Komfort. Doch sprechen wir zuerst vom Sitz selbst. Dieser lässt sich natürlich zu einem komplett flachen Bett verstellen, das auch auf den Ottomanen übergeht. Die Länge des Bettes beträgt somit deutlich über zwei Meter, sodass wirklich jeder komfortabel liegen kann. Auch die Breite des Bettes mit geschätzt einem knappen Meter erinnert eher an ein Hotel als an ein Flugzeug. Auf Wunsch wird Euch natürlich auch das Bett gemacht. Hierbei wird in der Swiss First Class eine recht bequeme Auflage auf den Sitz gelegt, dazu gibt es eine Decke und ein Kissen.

Ich fand das Bettzeug insgesamt sehr komfortabel und auch nicht zu warm, allerdings fand ich etwas kurios, dass die Auflage nur etwa zwei Drittel der Breite des Bettes eingenommen hat. Davon abgesehen habe ich in der Swiss First Class allerdings sehr gut geschlafen.

Swiss First Class Boeing 777 – das Catering

Schon beim Boarding steht am Platz für jeden Passagier eine Flasche Wasser mit Glas bereit. Auch auf dem Rückflug von Brasilien erhalten First Class Passagiere ein Produkt aus der Heimat. Das habe ich so noch nie gesehen. Dazu gab es direkt noch warme Nüsse und ein Glas Laurent-Perrier Grand Siècle Champagner, welchen ich in meinem Fall auf dem Rückweg in ein Mimosa umgewandelt habe.Ebenfalls schon am Platz bereit lagen zwei umfangreiche Menüs, eins für die Speisen und eins für die Getränke. Ohne ins Detail zu gehen, gilt es hier die großzügige Auswahl und Qualität der Weine und anderen Getränke hervorzuheben. Direkt nachdem wir auf der Reiseflughöhe waren, wurden ein Amuse Bouche gereicht. Etwa eine halbe Stunde nach dem Start in Sao Paulo wurde damit begonnen, das Abendessen zu servieren. Der Tisch wird dabei wie in einem guten Restaurant eingedeckt mit Tischdecke, Besteck, Serviette etc. Besonders gut gefallen haben mir der kleine Brotkorb, der mit Butter und Olivenöl bereitgestellt wird. Auch große individuelle Pfeffer- und Salzstreuer erhält man. Auf dem Hinflug ab Zürich war es ein Tagflug – somit bestellte ich mir mein Essen erst nach gut fünf Stunden. Man entscheidet, wann man essen will – ein selbstverständlicher Service in der First Class.Als Vorspeise habe ich mich für das Balik-Lachsfilet mit Blinis und Sauerrahm entschieden. Nicht nur optisch war der Fisch überzeugend.

Auf dem Rückflug sah die Vorspeise mit dem Lachs meiner Meinung deutlich besser aus. Hier wurde auf derselben Platte noch ein Reissalat mit Crevetten und eine Trockenfleisch- bzw. Käsevariation serviert.

Ich probierte danach auch noch die Kartoffel-Maissuppe, die ebenfalls sowohl kreativ als auch sehr lecker war. Dazu gab es noch einen grünen Salat an einem leckeren Dressing. Erwähnenswert ist generell, dass sechs Vorspeisen zur Wahl standen, von denen man beliebig viele wählen kann.

Während einer meiner Flüge in der Swiss First Class fand darüber hinaus das jährliche Seafood-Festival statt. Während eines beschränkten Zeitraumes werden als Vorspeisen ergänzend noch Meeresfrüchte und Fischspezialitäten angeboten. Ich probierte mich vorsichtig durch die Auswahl aus Hummer- und Kaisergranatschwanz und war durchaus positiv angetan. Die Jakobsmuscheln und den Tintenfischsalat habe ich beiseite gelassen.

Als Hauptspeise (drei Optionen zur Wahl) entschied ich mich auf dem Hinflug für die Maispoulardenbrust mit Kroketten und Buchweizenrisotto, serviert an einer schwarzen Johannisbeersauce. Auch hier gab es geschmacklich nichts auszusetzen, obwohl ich eigentlich Fisch gegessen hätte, der erstaunlicherweise nach nur drei Bestellungen schon vergeben war. Auf dem Rückflug entschied ich mich für das Filet Mignon mit gerösteten Country Fries, welches vorzüglich schmeckte.

Wenn ich mal anfange zu Essen, wird es schwierig, wieder aufzuhören. Swiss wechselt regelmässig das Motto ihrer Boardküche. Meistens werden dabei die Schweizer Kantone berücksichtig. Auf dem Rückflug gab es deshalb noch Zürcher Wurstspezialitäten. Das war schon Eindrücklich, dass diese Würstchen den weiten Weg nach Brasilien mitgeflogen sind und zudem noch vorzüglich schmeckten.

Beim Dessert war ich langsam aber sicher vollgegessen, ich probierte dennoch die angebotenen Speisen. Leider schmeckte mir die Tarte au vin cuit mit Zwetschgenkompott nicht so richtig, und auch die Käseauswahl konnte mich nicht begeistern. Dafür war das Erdbeerglacé auf dem Hinflug echt lecker und sehr einfach. Das darf es meiner Meinung nach auch mal sein!

Zwischendurch wurde plötzlich und ohne Aufforderung eine ganze Schachtel Schokolade auf meinen Tisch gestellt. Natürlich von der Edelmarke Sprüngli. Die ganze Schachtel schaffte ich aber zum Glück nicht.

Nach einer für mich angenehmen Nacht gab es knapp acht Stunden später, etwas weniger als zwei Stunden vor der Landung, die nächste Mahlzeit, das Frühstück. Das Menü ist dahingehend überraschend überschaubar, man kann aber im Prinzip ein typisches kontinentales Frühstück und ein warmes Eiergericht wählen. Ich entschied mich für ein Bircher Müsli mit Früchten sowie eine kleine Auswahl an Aufschnitt und Käse, dazu gab es einen kleinen Brotkorb sowie natürlich frisch gepressten Orangensaft und Kaffee.

Auf dem Hinflug gab es das Frühstück direkt nach dem Start, da wir um 09:00 Uhr in Richtung Brasilien abgeflogen sind. Dieses in der Schweiz zubereitete Frühstück hat mir viel besser geschmeckt. Gerade Brot und Backwaren können die Europäer nun mal besser.

Danach habe ich noch das Omelett probiert, das ebenfalls sehr lecker war. Gerade im Flugzeug habe ich selten eine bessere Eierspeise gegessen. Der Service war insgesamt ehr gut. Die FlugbegleiterInnen haben auf dem Hin- und Rückweg jeweils ihr bestes gegeben und waren auch für ein Schwätzchen zwischendurch nicht abgeneigt, was ich als angenehm empfand.

Swiss First Class Boeing 777 – das Entertainment

Ich habe im Teil zum Sitz schon über den wirklich beeindruckenden Bildschirm der Swiss First Class Suite gesprochen. An dieser Stelle will ich dahingehend noch einmal ins Detail gehen, denn neben der Größe hat mich auch die Qualität absolut begeistert.

Die Bilder sind scharf, die Bedienung mit dem Controller ist einfach und intuitiv und das System reagiert schnell und ohne Schwächen. Darüber hinaus erwartet Euch eine sehr gute Auswahl an Filmen und Serien, bei Letzteren sogar mehrere ganze Staffeln.

Das Entertainment-System lässt sich bequem durch eine grosse Fernbedienung inklusive Mini-Bildschirm steuern. Dieser Controller ist in der Seitenleiste eingebaut und lässt sich bequem herausziehen.

Neben dem Entertainment-System gibt es noch einige weitere positive Aspekte zu nennen. Vor dem Start wurden aktuelle Ausgaben von englischsprachigen und Schweizer Zeitungen angeboten, auch einige Magazine standen zur Wahl. Zudem gibt es natürlich das typische Bordmagazin. Erwähnenswert ist ansonsten noch, dass die Swiss Boeing 777 WLAN bietet. Dafür erhält man als First Class Passagier einen Gutschein über 50 Megabyte. Meine Sitznachbarn brauchten glücklicherweise nicht von diesem Angebot Gebrauch, sodass ich schlussendlich Drei Voucher mein Eigen nenne konnte.

Der Log-in ist damit einfach und die Geschwindigkeit ist insgesamt als gut einzustufen. Leider sind die Preise für das WLAN über den Gutschein hinaus sehr unattraktiv, da pro Megabyte berechnet wird.

Swiss First Class Boeing 777 – die Annehmlichkeiten

Natürlich erhält man als First Class Passagier noch einige weitere Annehmlichkeiten. Schon beim Start lagen ein Pyjama von Zimmerli (verfügbar in vier Größen) sowie ein paar Hausschuhe parat.

Der Pyjama war sehr bequem und von hoher Qualität, die Hausschuhe empfand ich als ein wenig dünn. Hier sind die Pantoffeln der Lufthansa First Class wahre Kissen an den Füssen.

Ansonsten erwartet Euch ein paar Kopfhörer von ordentlicher Qualität.

Natürlich gibt es auch noch ein Amenity Kit, das für Frauen und Männer unterschiedlich bestückt ist. Auf meinem Flug wurde ein hochwertiges und sehr schickes Necessaire von Bally angeboten.

Im Männerkit findet man ausgewählte Cremes von La Prairie, einen Kamm, eine mittelgroße Tube Zahnpasta, eine Zahnbürste, Ohrenstöpsel, Taschentücher, Socken, eine Schlafmaske und eine Packung Ricola.

 

Swiss First Class Boeing 777 – Fazit

Das neue Produkt in der Boeing 777 ist beeindruckend! Allein die Veränderungen des Sitzes und die zusätzliche Privatsphäre machen es zu einer genialen Wahl für lange Flüge. Der einzige Wermutstropfen ist, dass man sie nicht direkt mit Meilen buchen kann. Das Upgrade hat sich meiner Meinung nach aber absolut gelohnt! Unter dem Strich finde ich die Swiss First Class in der Boeing 777 besser als die Lufthansa First Class und würde sie als meine erste Wahl für Langstreckenflüge nennen.

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