Eurowings Best auf der Langstrecke ist auf einigen Flügen die höchste Reiseklasse des Günstigfliegers. Doch kann das Produkt auch überzeugen und ist einen Aufpreis wert? Ich habe mir ein Bild von der Premium Economy Class gemacht und zeige Euch, was die Airline wirklich bietet!

Eurowings steht immer wieder für Verspätungen und schlechte Kommunikation in der Kritik. Passend dazu war auch mein Flug von Bangkok nach München über fünf Stunden verspätet – darüber habe ich bereits in einer gesonderten Story berichtet. Allzu böse war ich über die Verspätung aber nicht, denn die 600 Euro Entschädigung wurden schnell ausgezahlt und ich konnte nach einer kurzen Krankheit noch ein wenig länger ausschlafen. Entsprechend will in diesem Review auch diesen Aspekt komplett aussen vor lassen, sondern mich komplett auf das Erlebnis an Bord zu berichten. Denn auch hier gibt es neben Licht auch viel Schatten, wie ich Euch in diesem Review zeigen möchte!

Eurowings Best Langstrecke – die Buchung

Gebucht habe ich meinen Flug in der Eurowings Best Klasse ungefähr zwei Monate vor meinem Flug für einen recht attraktiven Preis von knapp über 500 Euro für den einfachen Flug von Bangkok nach München. Auch wenn ich leider nicht von meinem Star Alliance Gold Status profitieren konnte, ging es dank meiner Priority Pass Mitgliedschaft über die American Express Platinum Card dennoch vor dem Abflug noch in die Lounge. Darüber hinaus durfte ich mich auch über eine attraktive Meilengutschrift von knapp 5’500 Meilen bei Lufthansa Miles & More freuen, womit ich schlussendlich auch noch den Frequent Traveller Status erreicht habe. Insgesamt also keine schlechte Ausbeute, zumal wenn man bedenkt, dass ich auch noch 600 Entschädigung erhalten habe.

Eurowings Best Langstrecke – der Sitz

Die Eurowings Best Kabine ist mehr oder weniger 1:1 an die Lufthansa Premium Economy Class angelehnt. Das heisst konkret, dass Euch Sitze in einer 2-3-2 Bestuhlung erwarten, die auch vom Design her nahezu genauso bei der Lufthansa zu finden sind.

Der grösste Unterschied ist sicherlich das Design der Kabine, denn Eurowings setzt hier neben den typischen Grautönen der Lufthansa auch noch auf dunkelrote Aspekte. Selbstverständlich wird auch der Produktnname Best stark betont.

Die Sitze selbst haben eine angenehme Breite und ermöglichen es, dass man beispielsweise auch mit angewinkelten Beinen auf der Sitzfläche sitzen kann, ohne den Nachbarn zu berühren (sofern man sich nicht allzu sehr ausbreitet).

Zudem hat jeder Sitz zwei individuelle Armlehnen, wodurch zwischen den beiden Sitzen eine Art Doppel-Armlehne entsteht. Auch hier kommt man sich entsprechend nicht in die Quere. Im vorderen Bereich dieser Armlehne kann man zudem jeweils noch ein Glas abstellen.

Generell muss ich sagen, dass ich die Sitze als durchaus bequem wahrgenommen habe. Die Polsterung ist gut und ermöglicht es, auch in der aufrechten Position komfortabel zu sitzen.

Positiv zu erwähnen ist auch die durchaus stark verstellbare und noch einmal gesondert gepolsterte Kopfstütze, die denjenigen, die im Sitzen gut schlafen können, sicherlich hilft.

Auch beim Thema Fussraum merkt man, dass die Eurowings Premium Economy einen deutlich grösseren Komfort und mehr Freiraum bietet, als die normale Economy Class bei Eurowings aber auch Premium-Fluggesellschaften wie Turkish Airlines oder Singapore Airlines.

Erwähnenswert sind zudem noch zwei weitere Aspekte des Sitzes. Einmal gibt es eine Fussstütze, die man so in der Economy Class nicht findet und die zu einem höheren Komfort beitragen soll. Mich persönlich hat die Stütze aber eher gestört, sodass ich sie kaum genutzt habe. Zum anderen ist auch der höhere Verstellwinkel des Sitzes (130 statt 113 Grad in der Economy Class) durchaus bemerkbar, sodass man zum Schlafen und Relaxen in eine durchaus angenehme Position kommt.

In Bezug auf die Ablagefläche gibt es bei Eurowings Best auf der Langstrecke nicht allzu viel Innovation. Verstauen kann man Dinge eigentlich nur in der Sitztasche auf der Rückseite des Vordersitzes.

Die beiden Knöpfe für die Fussstütze sowie die Verstellung der Rückenlehne finden sich auf mittlere Höhe entlang der Armlehne, sodass es durchaus möglich ist, dass man diese aus Versehen betätigt. Dafür funktionieren die Knöpfe zuverlässig und nichts klemmt.

Positiv ist mir ansonsten noch aufgefallen, dass beim Boarding bereits eine Flasche Wasser in einem kleinen Flaschenhalter Platz gefunden hat – eine Kleinigkeit, die aber dennoch sehr praktisch ist und zumindest im Entferntesten an die Lufthansa Business Class erinnert.

Dasselbe lässt sich über das bereitgestellte Kissen und auch die Decke leider nicht sagen. Beides lag beim Boarding zwar schon auf dem Sitz, hat mich aber schlichtweg nur an die Economy Class erinnert. Das Kissen ist schlichtweg viel zu dünn, die Decke auch nicht viel besser.

Alles in allem finde ich die Eurowings Premium Economy Class für einen Tagflug absolut ausreichend, man merkt, dass das Produkt mehr oder weniger eins zu eins dem der Lufthansa entspricht. Der zusätzliche Freiraum ist zweifelsfrei angenehm, das Sitz-Design der Singapore Airlines Premium Economy Class überzeugt mich aber dennoch mehr.

Eurowings Premium Economy Langstrecke – die Verpflegung

Ein Aspekt bei dem der Name Eurowings Best absolut unangebracht ist, ist das Catering. Ich hatte in der Premium Economy Class eine Speisenauswahl erwartet, die auch nur einen Hauch von Premium versprüht. Stattdessen gab es ein kleines Früchstück, das eins zu eins so auch einige Reihen weiter hinten serviert, in der Eurowings Smart Klasse, serviert wird.

Immerhin gab es eine Auswahl aus zwei Gerichten (einmal warm und einmal kalt), wobei ich mich für die eher deutsche Ausführung des Frühstücks entschieden haben. Ob jetzt ein kleiner Karottensalat, ein Apfelkuchen, ein Brötchen, zwei Frikadellen sowie Käse, Wurst und ein wenig Gemüse eine vollwertige Mahlzeit sind, darf jeder selbst entscheiden.

Wirklich ärgerlich fand ich aber nicht nur, dass das Essen einer Premium Economy Class nicht würdig war, sondern dass man zu jeder Mahlzeit dieselben Beilagen serviert, denn Karottensalat und Apfelkuchen gehören einfach nicht zum Frühstück. Noch schlimmer war aber ein anderer Aspekt: Obwohl der Flug nicht wie geplant um 10 Uhr, sondern erst um 16 Uhr startete, gab es trotzdem als erste Mahlzeit Frühstück (wobei man zumindest auf Wunsch tauschen konnte)

Kommen wir zum Abendessen: Ich will nicht einmal zu sehr über das Aussehen und den Geschmack lästern, denn das Hauptgericht (auch hier gab es zwei Optionen) war durchaus essbar.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann, war die plumpe Beilagenauswahl. Wer hätte es gedacht: Geraspelte Karotten und ein Apfelkuchen sowie ein Brötchen – alles wohlgemerkt in kleinen Portionen – ist ein Catering, dass ich so selbst in der Economy Class als enttäuschend wahrgenommen hätte. Dass es zudem genau dieselben Beilagen wie beim Frühstück gab, hat für mich nichts mit einer Eurowings Premium Economy Class zu tun.

Nach Getränken wurde ich während des gesamten Fluges nur nach dem Start sowie bei den beiden Mahlzeiten gefragt, nachgeschenkt wurde ebenfalls nur auf ausdrücklichen Wunsch. Eurowings Best Passagiere können über das Entertainment-System zudem Snacks kostenfrei bestellen, darauf aktiv hingewiesen wurde aber selbstredend nicht.

Der Service auf meinem Flug war kühl, aber ansonsten noch in Ordnung. Wie es aber um das Eurowings Best Catering wirklich steht, zeigt das Beispiel eines anderen Passagiers deutlich: Auf Grund von Allergien hatte er für sich und seine Tochter ein Spezialmenü bestellt. Geladen wurden beide nicht. Die einzige Alternative, die man anbieten konnte, waren Chips – für einen 10-stündigen Flug. Immerhin kann ich sagen: Viel reichhaltiger oder kreativer war auch das normale Catering nicht 😉

Eurowings Best Langstrecke – das Entertainment

Durchaus in Ordnung ist in der Eurowings Premium Economy Class das Entertainment. Zwar gibt es keine Zeitungen oder Magazine, dafür kommt jeder Sitz mit einem mittelgrossen und gut auflösenden Entertainment-System daher.

Dieses hat unter anderem auch einen USB-Anschluss, an dem man sein Handy (langsam) laden kann.

Hier findet man eine Auswahl an Filmen und Serien sowie Musik und Spielen. Ich würde die verfügbaren Optionen als aktuell und durchaus auch genreübergreifend bezeichne, allerdings ist das Angebot nicht allzu reichhaltig.

Airlines wie Emirates oder Qatar Airways bieten in dieser Hinsicht auch in der Economy Class mehr. Immerhin ist das Entertainment in der Eurowings Best Klasse kostenfrei. Anders dagegen das WLAN, welches leider mit völlig überzogenen Preisen daherkommt.

Während man selbst in der Lufthansa Economy Class für 19.95 Euro den gesamten Flug ohne eine Datenbegrenzung surfen kann, kosten bei Eurowings schon 75 Megabyte (die gerade einmal für ein Smartphone und auch hier nicht zum Surfen) ausreichen, bereits 25.90 Euro. Besonders schön ist hier die Empfehlung dieses Pakets mit “Empfangen und Versenden von Fotos und E-Mail-Anhängen”. Immerhin konnte ich das überteuerte WLAN umgehen, denn dank meiner Airlinecheckins Plus-Mitgliedschaft konnte ich den ganzen Flug über zu durchaus guten Geschwindigkeiten (wohl auf Grund der geringen Nutzung durch andere Passagiere) surfen.

Eurowings Best Langstrecke – die Annehmlichkeiten

Die Annehmlichkeiten von Eurowings Best auf der Langstrecke sind für die Premium Economy Class nicht schlecht. So gibt es unter anderem ein Amenity Kit.

Dieses kommt nicht nur in einem ganz netten Design daher, auch der Inhalt ist durchaus gut. Neben einer Schlafmaske, Socken, einer Zahnbürste und Zahnpasta gibt es auch eine Creme.

Eher ein Witz sind dagegen die bereitgestellten Kopfhörer, die eine grauenvolle Soundqualität bieten und nach kürzester Zeit im Ohr wehtun. Die zwei Toiletten, die für die Eurowings Best Klasse zugeteilt sind, bieten keinen besonderen Luxus, waren während meines Fluges aber sauber.

Eurowings Best Langstrecke – Fazit

Die Eurowings Premium Economy Class hat mich insgesamt leider nicht wirklich überzeugt. Die Sitze sind an sich bequem und der zusätzliche Freiraum ist ein echtes Plus, doch ansonsten hat mich der Flug im Prinzip in allen Belangen an einen typischen Economy Class Flug erinnert. Das Essen war nicht nur sehr übersichtlich, sondern auch qualitativ alles andere als hochwertig. Hier bieten andere Airlines in der Economy Class deutlich mehr, was so auch für die Auswahl beim Entertainment gilt. Bei einem Tagflug würde ich Eurowings Best durchaus in Erwägung ziehen, wenn der Aufpreis nicht allzu hoch ist – schon wegen der Meilengutschrift. Ansonsten würde ich allerdings eher in der Economy Class fliegen, als für Eurowings Best mehr zu bezahlen, dann aber wohl eher mit anderen Airlines.

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Autor

Moritz liebt nicht nur Reisen, sondern auch Luxushotels in aller Welt. Auf der Suche nach neuen Erlebnissen hat Moritz schon dutzende Airlines getestet und mehr als 100 Städte erkundet. Auf reisetopia lässt er Euch an seinen Erlebnissen & Tipps teilhaben!

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